ca. 1995, Guam --- Three flag poles stand next to a Japanese anti-aircraft gun, a remnant of World War II. Agat Bay, Guam. | Location: Agat Bay, Guam.  --- Image by © Nik Wheeler/Corbisca. 1995, Guam --- Three flag poles stand next to a Japanese anti-aircraft gun, a remnant of World War II. Agat Bay, Guam. | Location: Agat Bay, Guam. --- Image by © Nik Wheeler/Corbis

Yokoi Shoichi: Soldat und Höhlenmensch

1972, vor genau 40 Jahren, wird im Dschungel der Pazifikinsel Guam ein japanischer Soldat gefunden. Der Zweite Weltkrieg war für ihn noch nicht zu Ende. Die Nachricht von der japanischen Kapitulation hielt er für böse Propaganda des Feindes. Yokoi Shoichi: Ein Leben in Angst und Isolation.

Douglas MacArthur ist der meistdekorierte Soldat in der Geschichte der amerikanischen Streitkräfte. Er war Brigade-General im Ersten Weltkrieg und hatte im Zweiten als Feldmarschall der US-Armee gemeinsam mit Admiral Chester W. Nimitz den Oberbefehl über den pazifischen Kriegsschauplatz: Am 21. Juli 1944 landeten amerikanische Marine-Infanteristen und Armeetruppen auf der Insel Guam. Und wie bereits in anderen Schlachten im Pazifik verweigerten die japanischen Streitkräfte die Kapitulation und wurden fast vollständig getötet.

Doch dem japanischen Feldwebel Yokoi Shoichi gelang rechtzeitig die Flucht. Gemeinsam mit 2 Kameraden zog er sich in den Dschungel von Guam zurück. Sie versteckten sich in einer winzigen Höhle in der Nähe des Flusses Talofofo. Wann immer sie ihr Versteck verließen, verwischten sie alle ihre Fußabdrücke um keine Spuren zu hinterlassen.  1952, also acht Jahre später, fanden sie Flugblätter, die über das Ende des Zweiten Weltkrieges informierten. Allerdings hielten sie diese Nachricht für bösartige Propaganda des Feindes. In den kommenden Jahren starben die zwei Freunde, nur Yokoi blieb alleine zurück. Getrieben von seiner Angst lebte er in völliger Isolation, in einer selbst gegrabenen Höhle. Sie verlässt er nur nach Einbruch der Dunkelheit. Die meiste Zeit ernährte er sich von Fischen und Kokosnüssen, von Papayas, Ratten und Fröschen.

Yokoi Shoichi galt als geistig völlig normal. Er sei nur in seiner Zeit stehen geblieben, urteilte das Ärzteteam. Blutdruck und Herzschlag waren normal, die zahlreichen Ekzeme auf der Haut harmlos, vermutlich von Mosquitobissen. Vitamin-B-Mangel wurde festgestellt und Yokoi brachte nur noch 41 Kilogramm auf die Waage. Sein Kopf wirkte riesig im Vergleich zu seinem ausgemergelten Körper. Als er zwei Wochen später nach Japan zurückkehrte, entschuldigte er sich beim Kaiser und beim japanischen Volk für sein Versagen:

「恥ずかしながら生きながらえて、帰ってきました。」 [Hazukashinagara ikinagaraete, kaette kimashita]

„Es ist mir sehr peinlich, aber ich habe überlebt und bin heimgekehrt.“

Sein Ausspruch wurde zu einer berühmten scherzhaften Bemerkung, die Japaner gerne von sich geben, wenn sie von einer Auslandsreise zurückkehren. Nachdem Yokoi von den Titelseiten der Zeitungen wieder verschwunden war, heiratete er und zog sich in der Präfektur Aichi aufs Land zurück. Er wurde zu einem scharfen Kritiker des Konsumzeitalters und des verschwenderischen Lebensstils. Im Jahr 1991 erhielt er eine Audienz bei Kaiser Akihito. Dies empfand er als die größte Ehrung seines Lebens.

Yokoi Shōichi (31. März 1915 – † 22. September 1997)

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