The X-37B Orbital Test Vehicle in the encapsulation cell at the Astrotech facility in April 2010, in Titusville, Fla. Air Force officials are scheduled to launch the X-37B April 21, 2010, at Cape Canaveral Air Station, Fla. The X-37B is the U.S.'s newest and most advanced unmanned re-entry spacecraft. The X-37B Orbital Test Vehicle in the encapsulation cell at the Astrotech facility in April 2010, in Titusville, Fla. Air Force officials are scheduled to launch the X-37B April 21, 2010, at Cape Canaveral Air Station, Fla. The X-37B is the U.S.'s newest and most advanced unmanned re-entry spacecraft.

X-37B: In geheimer Mission

Das unbemannte Miniraumschiff X-37B kehrt nach 469 Tagen auf die Erde zurück. Sein Zwillingsschiff soll am 11. Dezember ins Weltall starten. Was steckt hinter den streng geheimen Missionen der US-Luftwaffe?

Alles schien bei der NASA nach Plan zu laufen. Die Konstruktionspläne des X-37 Raumgleiters mussten nur noch umgesetzt werden. „Wiederverwendbarer Raumgleiter“ war zu diesem Zeitpunkt die beste Übersetzung für diesen hochinteressanten Auftrag, der nun von Boeing Phantom Works, einer Tochterfirma von Boeing, realisiert werden sollte. Dabei wurde der Raumgleiter so konzipiert, dass er im Laderaum eines Space Shuttles Platz findet und so auch in den Orbit transportiert werden kann. Doch am 1. Februar 2003 um 13 Uhr 15 änderten sich die Pläne der NASA schlagartig:

Die Wetterbedingungen für eine Landung in Florida waren grundsätzlich sehr gut. Um 14:15:50 sollte die Raumfähre Columbia im Kennedy Space Center auf Landebahn 33 mit dem Hauptfahrwerk aufsetzen. Um 13:44 durchdringt sie in 122 Kilometer Höhe dichtere Schichten der Atmosphäre, erreicht dann nördlich von San Francisco die US-Westküste und zerbricht 16 Minuten vor der Landung in einer Höhe von 63 Kilometern über Texas auseinander.

Von diesem Zeitpunkt stand fest: Der unbemannte und wiederverwendbare X-37 Raumgleiter der NASA wird nicht im Bauch eines Space Shuttles in den Weltraum transportiert werden. Nach langen Überlegungen entschied man sich für die Trägerrakete Atlas V (501). Sie sollte das Miniraumschiff mitsamt einer Nutzlastverkleidung, die eine bessere Aerodynamik garantiert, ins Weltall bringen.

Als alle wichtigen Grundsatzentscheidungen von der NASA getroffen waren, wurde das gesamte Projekt von der US-Militärbehörde DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) übernommen, die dem amerikanischen Verteidigungsministerium (Pentagon) unterstellt ist. Dass in Hinkunft nur noch sehr wenige verlässliche Informationen über das X-37 Miniraumschiff an die Öffentlichkeit gelangen werden, war spätestens dann klar, als sich das Rapid Capabilities Office der U.S. Air Force um die Weiterentwicklung dieses Projekts kümmerte. Es ist auf die Entwicklung und Einführung neuer Waffensysteme spezialisiert.

Seither wissen wir, dass das Miniraumschiff mit der endgültigen Bezeichnung  X-37B, neun Meter lang und 5 Tonnen schwer ist. Es kann die Erde in einer Höhe von bis zu 900 km ungefähr ein Jahr lang umkreisen und soll bereits 15 Tage nach seiner Rückkehr auf die Erde wieder startklar sein. Im Orbit können Bahngeschwindigkeit und auch Bahnhöhe mithilfe eines konventionellen Hydrazin-Antriebssystems verändert werden. Der Laderaum misst 2,1 Meter mal 1,2 Meter und kann beispielsweise einen kleinen Satelliten mit maximal 250 Kilogramm ins Weltall mitnehmen.

Doch was sich nun tatsächlich in der sogenannten Nutzlastbucht befand, als die X-37B zum Jungfernflug, vier Jahre später als ursprünglich geplant, von Cape Canaveral abhob, wissen wir nicht. Am Ende des Testfluges holt der Raumgleiter sein Sonnensegel ein, schließt die Laderaumtüren und wird von einem Autopiloten sicher zur Erde zurückgebracht, ohne dass ihn jemand vom Boden aus fernsteuern müsste. Dieser erste Flug des „Orbital Test Vehicles“ (OTV-1), wie der Raumgleiter X-37B auch genannt wird, endete nach genau 224 Tagen, 8 Stunden und 24 Minuten mit einer völlig autonomen Landung auf der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien am 3. Dezember 2010.

Erst im letzten Juni ist das Schwesternschiff, Orbital Test Vehicle (OTV-2), aus dem All zurückgekommen. Es war insgesamt 469 Tage im Orbit und umkreiste die Erde mehr als 7000 Mal. Mit welchem Ziel? Nach offiziellen Angaben der US-Luftwaffe werden lediglich neue Technologien für Navigationssysteme getestet. Doch ob sich die Flüge auf reine Forschungsaufgaben beschränken, bleibt zu bezweifeln. Die Russen haben der US-Regierung schon beim ersten X-37B – Flug vorgeworfen, den Weltraum militarisieren zu wollen. Doch wer die wenigen Fakten analysiert, die wir wirklich besitzen, der verwirft schnell gut klingende Verschwörungstheorien.

Vermutlich testet die US-Air Force neue Überwachungs- bzw. Spionagetechnologien. Aus Militärkreisen ist zu hören, dass X-37B „die Satellitenüberwachung von Konfliktregionen ergänzen könnte.“ Vor allem der Nahe Osten soll bei dem letzten Flug ganz genau unter die Lupe genommen worden sein. „Das lässt sich aus dem Neigungswinkel (42,79 Grad) des Miniraumschiffes X-37B herleiten“, ist sich der technische Berater Brian Weeden an der  „Secure World Foundation“  (SWF) in Washington sicher. Gleichzeitig dürfte die USA auch die erste chinesische Weltraumstation  Tiangong-1 ausspionieren. X-37B soll sich auf einer sehr ähnlichen Umlaufbahn wie Tiangong-1 bewegt haben. Die USA haben immer schon befürchtet, China ziehe nur eine sehr dünne Linie zwischen der zivilen und der militärischen Nutzung seiner Weltraumstation.

Hat das Wettrüsten im All nun endgültig begonnen? Die Nutzung des Weltalls ist seit 1967 geregelt. Das internationale Recht verbietet nur die Stationierung von Massenvernichtungswaffen im Weltall. „The Outer Space Treaty“ der Vereinten Nationen, unterzeichnet u.a. von den USA, richtet sich in erster Linie gegen Atomwaffen (Artikel IV). Andere Waffensysteme werden nicht explizit erwähnt.

Das unbemannte Raumschiff  X-37B hat seine geheime Mission erfüllt und bleibt vorerst am Boden. Am 11. Dezember startet das Zwillingsschiff ins Weltall.

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United Nation Office of Outer Space Affair (UNOOSA),The Outer Space Treaty:

(Artikel IV): „States shall not place nuclear weapons or other weapons of mass destruction in orbit or on celestial bodies or station them in outer space in any other manner.“

Secure World Foundation (SWF):

SWF works with governments, industry, international organizations and civil society to develop and promote ideas and actions for international collaboration that achieve the secure, sustainable, and peaceful uses of outer space.

 

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