13 Mar 2014, Vienna, Austria --- (140313) -- VIENNA, March 13, 2014 (Xinhua) -- Austrian Finance Minister Michael Spindelegger attends a press conference after a cabinet meeting in Vienna, capital of Austria, March 12, 2014. The Austrian cabinet gave the green light Wednesday for a renewed injection of funds to troubled bank Hypo Alpe Adria, Kronen Zeitung newspaper reported. (Xinhua/Qian Yi) --- Image by © Qian Yi/Xinhua Press/Corbis13 Mar 2014, Vienna, Austria --- (140313) -- VIENNA, March 13, 2014 (Xinhua) -- Austrian Finance Minister Michael Spindelegger attends a press conference after a cabinet meeting in Vienna, capital of Austria, March 12, 2014. The Austrian cabinet gave the green light Wednesday for a renewed injection of funds to troubled bank Hypo Alpe Adria, Kronen Zeitung newspaper reported. (Xinhua/Qian Yi) --- Image by © Qian Yi/Xinhua Press/Corbis

Spindelegger: Der Streber mit dem Lausbubengesicht

Michael Spindelegger hält seine zweite Rede zur Nation in diesem Jahr. Er positioniert die Österreichische Volkspartei. Alles klingt gut und schön, doch er scheint nichts zu verändern und niemanden zu erreichen. Warum?

Die bürgerliche Elite war geladen, sie versammelte sich auch geschlossen im Auditorium, um viel Programmatisches zu hören. Der Titel „Werte – Wohlstand – Wachstum“ hat die Themen vorgegeben. Irgendwo im Saal einer stillgelegte Fabrikshalle im 22. Wiener Gemeindebezirk wurden Slogans aufgehängt: „Fördern statt Faseln“, „Machen statt Motzen“ und „Handeln statt Heulen“. Es war letztendlich eine Ansprache vor und zu Gleichgesinnten. Es ging Spindelegger darum noch einmal deutlich zu machen, dass die wirklich tauglichen Wirtschaftskonzepte nur die Handschrift seiner Partei tragen können. Die VP-Ministerien schaffen die Basis für unsere wirtschaftliche Zukunft, hieß es sinngemäß zusammengefasst, „denn wirtschaftlicher Erfolg lässt sich nicht im Lotto gewinnen“.

Dabei versucht sich Spindelegger immer hemdsärmelig zu geben, den Anpacker darzustellen, der die wirklich großen Probleme unserer Zeit nicht nur angehen möchte, sondern auch lösen wird. Im Dienste der Gesellschaft, aus seiner Verpflichtung gegenüber dem Wähler heraus. Den Wähler möchte er mit seinen Reden irgendwie auch emotionell erreichen, doch dafür wirkt Spindeleggers Körpersprache zu hölzern, sie unterstützt in keinster Weise das, was er sagt. Sie wirkt wie sein größtes, persönliches Hemmnis. Ähnlich wie dieses brave Musterschülerimage nicht zu seinem Lausbubengesicht passt. So kann der Zuhörer zwar die großen Probleme nachvollziehen, doch dass Michael Spindelegger sie lösen wird, davon ist niemand restlos überzeugt.

In Spindelegger schlummert zudem die Sehnsucht, Aufbruchsstimmung zu wecken, ganz im Sinne von „Yes, we can“. Er möchte sich selbst gerne an die Spitze einer Bewegung stellen, die den total verfahrenen Karren aus dem tiefen Sumpf des Misstrauens herauszieht. Doch genau dieses Image passt nicht zu seiner Persönlichkeit, passt nicht zu seinem Charakter. Es fehlt ihm jeglicher Hauch eines Revolutionsführers, vielleicht auch die Schlagfertigkeit eines Jörg Haiders. Spindelegger wirkt zu brav. Die österreichische Seele kocht derzeit über. Schneller und leichter als je zuvor. Sie wünscht sich einen Befreiungsschlag. Jemanden, der mit einem gewaltigen Service ein Tennismatch beherrschen und auch entscheiden kann. Jemand, der die bekannte Tenniselite wirklich herausfordern kann. Spindelegger ist ein solider Grundlinienspieler, der von einem harten Aufschlag nur träumen kann.

Auf die Menschen wirkt er gekünstelt, sobald er am Rednerpult im Rampenlicht steht oder im ZIB II Studio Platz nimmt. Wenn er meint, über die Skandale „echt betroffen zu sein“, dann wirkt er in keinster Weise betroffen. Er leitet daraus den Auftrag ab, es künftig besser machen zu wollen, teilt uns das sehr sachlich mit und möchte auch wirklich alles daran setzen, dass es anders und besser wird. Dafür wird er auch persönlich die Verantwortung übernehmen. Dazu steht er, auch noch nach dem Wahltag. Alles gut und schön. Aber das wollen wir nicht mehr hören, das können wir fast nicht mehr hören, wir glauben es auch nicht mehr, ob er selbst daran glaubt oder nicht. Völlig egal.

In Wahrheit erreicht uns Spindelegger nicht, weil er nichts in uns weckt. Schon gar nicht den Glauben an ihn. Er wirkt stumpf, manchmal sogar fad. Nehmen wir ihm sein Konzept einmal weg, bevor er sich zum Rednerpult begibt, verbieten wir ihm (seine) Meinung über Slogans zu transportieren, die die Inhalte auf den Punkt bringen sollen. Er muss nicht immer und überall Bote spielen, auch wenn er Vizekanzler, Außenminister und Bundesparteiobmann in einer Person ist, und er mit allen diesen Funktionen die Verpflichtung verspürt einem Sendeauftrag nachkommen zu müssen. Herr Spindelegger wäre uns wahrscheinlich lieber. Aber wir können nicht sicher sein, weil wir Herrn Spidelegger noch nie gehört haben. Zu uns hat immer nur der Außenminister, Vizekanzler oder Bundesparteiobmann gesprochen.

Dabei hat der Politiker Spindelegger sicherlich vieles zu verkaufen, doch wenn die Verkaufsstrategie nicht auf den Verkäufer zugeschnitten wird, dann wird er auf seiner Ware sitzen bleiben. Aus der Parteizentrale ist dann wieder zu hören, „wir sind hervorragend aufgestellt, haben uns aber schlecht kommuniziert“. Eine beliebte, oft schon gehörte, halbherzige Selbstanalyse, die primär verdeutlichen soll, an den Personen liegt es nicht. An den Inhalten auch nicht, wir haben nur ein Darstellungsproblem. Immer noch.

Es war genau genommen Spindeleggers zweite Rede zur Lage der Nation in diesem Jahr. Deshalb durfte er auch nicht versuchen, Aufbruchsstimmung zu verbreiten. Niemand, der entschlossen auf ein Ziel losmarschiert, bricht zwei Mal auf. Er musste primär untermauern, dass der bereits eingeschlagene Weg, der richtige ist: Wir positionieren uns, zementieren uns ein in der politischen Mitte, um die größtmögliche Distanz zu den beiden Rändern des politischen Spektrums herzustellen. Welche Partei sich dort herumtummelt, kann somit – leicht und schnell – als Koalitionspartner ausgeschlossen werden. Im fast selben Atemzug wird aber betont, dass es keine Koalitionsansage gibt. Schließlich steht der Streber mit dem Lausbubengesicht für Rot-schwarz, auch wenn er auf Schwarz-rot hofft. Egal. So wird er keine Wahl gewinnen.

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