05 Oct 1963, Ho Chi Minh City, Vietnam --- As a protest against the Ngo Dinh Diem government's anti-Buddhist policies, a young Buddhist monk performs a ritual suicide, by self immolation, in the central market square of Saigon. --- Image by © Bettmann/CORBIS05 Oct 1963, Ho Chi Minh City, Vietnam --- As a protest against the Ngo Dinh Diem government's anti-Buddhist policies, a young Buddhist monk performs a ritual suicide, by self immolation, in the central market square of Saigon. --- Image by © Bettmann/CORBIS

Selbstverbrennungen in Tibet

Der Tibeter Dorjee übergießt sich mit Benzin und zündet sich an. Drei Selbstverbrennungen in nur drei Tagen. Die Tibeter protestieren gegen den „kulturellen Völkermord“. Peking bleibt hart und wirkt hilflos. Exil-Tibeter erwarten blutige Unruhen und weitere Selbstverbrennungen in den nächsten Tagen.

Tibet lässt sich mit keiner anderen Region auf unserem Erdball vergleichen. Echte Tibetexperten haben faszinierende Texte über dieses Land verfasst. Im Mittelpunkt vieler Bücher stehen die buddhistischen Mönche, ihre spirituelle Kraft und die Genügsamkeit der Menschen. Alles zusammen fesselt und fasziniert. Vor allem Menschen aus der westlichen Welt. Doch in Tibet leben nicht nur Tibeter. Auch Angehörige anderer chinesischer Volksgruppen. Und in den angrenzenden Provinzen Südwest- und Nordwestchinas leben wiederum auch Tibeter.

China hat Tibet 1951 besetzt und seit 1966 ist das autonome Gebiet Tibet eine administrative Einheit der Volksrepublik China. Seither kontrolliert die Führung in Peking die angrenzenden Provinzen und Tibet mit harter Hand. Der Dalai Lama wirft der chinesischen Regierung „kulturellen Völkermord“ vor. Die Tibeter selbst fühlen sich sozial und religiös diskriminiert.  Vor vier Jahren kam es in Lhasa zu blutigen Unruhen, die sehr schnell auf die benachbarten Provinzen Qinghai und Sichuan übergriffen. Viele tibetische Siedlungsgebiete sind seither für ausländische Journalisten gesperrt. Peking hat Zehntausende zusätzliche Polzisten nach Tibet geschickt. Sie kontrollieren die Klöster, Kameras überwachen zahlreiche andere Gebäude.  Das sogenannte „Demokratische Verwaltungskomitee“ hat die Kontrolle an sich gerissen. Es setzt sich aus Mönchen, Religionsbeamten und Polizisten zusammen.

Trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) haben die Proteste gegen die Unterdrückung nie aufgehört. Seit 2009 wurden insgesamt 26 Selbstverbrennungen gezählt, nur in letzten zwölf Monaten gab es schon mehr als 20 Selbstverbrennungen. Am letzten Samstag hat sich in der Provinz Gansu eine 19-jährige Schülerin selbst angezündet. Einen Tag später war es eine vierfache Mutter (32) in der Provinz Aba. Und am Montag wählte auch der 18-jährige Dorjee den Freitod. Er hat sich in Chara im Kreis Aba in der südwestchinesischen Provinz Sichuan mit Benzin übergossen und angezündet. Vor einem Regierungsbüro skandierte er Parolen gegen die chinesische Vorherrschaft in Tibet. „Tibet braucht Freiheit“, waren seine letzten Worte. Das berichtete der amerikanische Sender Radio Free Asia (RFA) unter Berufung auf exiltibetische Quellen. Dorjee ist noch an Ort und Stelle seinen Verletzungen erlegen.

Viertausend Kilometer entfernt, in Peking, begann zur selben Zeit die Tagung des chinesischen Volkskongresses. Vor 3000 Delegierten ergriff Regierungschef Wēn Jiābǎo das Wort. Doch in seinem Rechenschaftsbericht erwähnte er mit keiner Silbe die andauernden Unruhen in den – wie es offiziell heißt – „tibetisch bewohnten Gebieten“. In seiner Rede appellierte er an alle Volksgruppen: „Nur wenn die ethnischen Gruppen vereint sind und für die Entwicklung aller arbeiten, kann China Wohlstand erreichen.“

Trotzdem deutet vieles darauf hin, dass die Führung in Peking gespannt und nervös nach Tibet blickt. Am 10. März begehen die Tibeter den Jahrestag der Flucht ihres religiösen Oberhauptes, des Dalai Lama, 1959 ins indische Exil. Vor genau vier Jahren war dieser Jahrestag Auslöser für die blutigen Unruhen in Lahsa. Seit damals werden die Klöster noch strenger kontrolliert und überwacht. Bewohner von Kirti haben berichtet, dass Mönche gezwungen werden an politischen Seminaren teilzunehmen. Bei diesen Vorträgen soll der Dalai Lama als „Verräter“ und „Lügner“ beschimpft worden sein.

Das Kirti-Kloster ist ein bedeutendes Kloster der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus in der osttibetischen Kulturregion Amdo. Abt Kyabje Kirti Rinpoche  (Rongpo Choije) lebt in Indien im Exil und hat zu den jüngsten Selbstverbrennungen erklärt: „Außerhalb der Klöster wird die tibetische Religion und Kultur so massiv unterdrückt, dass die Menschen lieber sterben als weiterleben.“ Laut Gerüchten sollen in Amdo (Chinesisch „Sichuan“), einzelne Beamte verschiedenen Familien sogar Geld angeboten haben, damit sie ihre Söhne in kein Kloster schicken.

Die Hilflosigkeit der chinesischen Behörden wird immer offensichtlicher. Doch Peking denkt keine Sekunde daran, seinen eingeschlagenen Kurs zu überdenken. Im Gegenteil: Die chinesische Regierung entsendet mehr und mehr Polizisten und Soldaten nach Tibet. Sie sind neuerdings auch mit Feuerlöschern ausgerüstet, um Selbstverbrennungen verhindern zu können.

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