09 May 2013, Karachi, Pakistan --- A member of Lashkar-e-Jhangvi, an extremist sunni group stands shackled awaiting trial at the anti-terror court in Karachi, Pakistan on May 9, 2013. The suspect is accused of shooting the principal of a Shia college and also assassinating police officers connected to high profile terrorist cases where Lashkar-e-Jhangvi was involved. Many witnesses do not submit testimonies at trials because of threat of being killed. --- Image by © Sam Phelps/Corbis 09 May 2013, Karachi, Pakistan --- A member of Lashkar-e-Jhangvi, an extremist sunni group stands shackled awaiting trial at the anti-terror court in Karachi, Pakistan on May 9, 2013. The suspect is accused of shooting the principal of a Shia college and also assassinating police officers connected to high profile terrorist cases where Lashkar-e-Jhangvi was involved. Many witnesses do not submit testimonies at trials because of threat of being killed. --- Image by © Sam Phelps/Corbis

Pakistan: Das Ende der Glaubwürdigkeit

Korruption und Terror haben Pakistan unregierbar gemacht. Die Entscheidungen der Gerichte werden ignoriert. Ein Ermittler der Anti-Korruptions-Behörde wird zu Hause tot aufgefunden.

Am letzten Freitag um 7:58:41 in der Früh erhielt Kamran Faisal eine SMS, die er nie gelesen hat. Denn der Mitarbeiter der pakistanischen Anti-Korruptions-Behörde NAB (Human Resource National Accountability Bureau) war zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Faisal stand unter enormen Druck. Schließlich war er an den Ermittlungen im Fall Raja Pervez Ashraf beteiligt: Der amtierende Ministerpräsident soll als Energieminister (in den Jahren 2008 – 2011) Schmiergelder in Millionenhöhe eingesteckt haben. Für Energie- und Wasserprojekte, die größtenteils nie verwirklicht wurden. Pakistans Energiekrise hat die heimische Wirtschaft mittlerweile vor große Probleme gestellt.

„Ich wünsche Dir viel Glück und möge Gott Dich von allen Sorgen erlösen, noch heute Freitag, an diesem geheiligten Tag.“

Die SMS-Nachricht kam zu spät. Kamran Faisal war bereits tot. Laut ersten Untersuchungen soll er sich in seiner Wohnung selbst erhängt haben. Das klingt einleuchtend und verständlich. Denn sein Vorgesetzter, NAB-Chef Kausar Malik,  hatte ihn tatsächlich massiv unter Druck gesetzt und von ihm verlangt, eine auf den 15. November 2012 rückdatierte eidesstattliche Erklärung aufzusetzen und darin festzuhalten, dass er keine weiteren Ermittlungen im „Rental Power Plants“-Projekt vornehmen wird. „Rental Power Plants“ war das wichtigste Prestigeprojekt des ehemaligen Energieministers: Neunzehn Mietkraftwerke sollten Pakistans Energieproblem lösen. Doch der Oberste Gerichtshof hat das Projekt wegen angeblicher Gesetzwidrigkeiten wieder eingestellt. Kamran Faisal inform einen Freund per SMS über die Anweisung seines Director General:

„Der Direktor möchte, dass ich eine rückdatierte Erklärung aufsetze und mich somit nicht mehr mit dem Fall beschäftige.“ (gesendet am 16. Jänner um 22:41:11)

„Dreh´ sofort Dein Handy ab und versperre abends Deine Haustür“, lautete die kurze und besorgte Antwort seines Freundes eine halbe Stunde später. Das war am letzten Mittwoch, also am 16. Jänner. Einen Tag nachdem das pakistanische Verfassungsgericht die Festnahme von insgesamt 16 Verdächtigen angeordnet hatte. Unter ihnen auch Ministerpräsidenten Raja Pervez Ashraf. Die Anti-Korruptions-Behörde (NBA) sollte den Regierungschef noch am selben Tag dem Verfassungsgericht vorführen. Doch dazu kam es nicht. Denn die NBA kam auf einmal zu dem Schluss, dass „einfach zu wenig Beweise gegen Ministerpräsident Ashraf vorliegen.“ Im Internet wurde sofort der Verdacht geäußert, dass das Büro des Ministerpräsidenten die Chefetage der Anti-Korruptions-Behörde bestochen habe. Gerichtspräsident Iftikhar Chaudhry reagierte empört und forderte die NBA am Donnerstag auf, „innerhalb von 15 Minuten alle Untersuchungsergebnisse erneut vorzulegen.

 24 Stunden später war Kamran Faisal tot. Doch hat er sich wirklich selbst erhängt? Seine Familie hat ernste Zweifel, weil sie an seinen Handgelenken Druckstellen gefunden hat. Doch davon wollen die Ermittler nichts wissen. Sie sind sich sicher, dass für Faisal die psychische Belastung einfach zu groß wurde: „Mentaler Stress und psychologische Probleme sind die Ursache für seinen Selbstmord.“

Am Ende seines Lebens stellt sich für ganz Pakistan die Frage, wer das Land aus dem Korruptionssumpf herausführen kann? Der Justiz sind die Hände gebunden. Sie wurde von der Politik ins Abseits gedrängt. Gleichzeitig wird das Land von einer einzigartigen Energiekrise und einer blutigen Terrorwelle erfasst. Diese Legislaturperiode endet im März. Dann soll eine Übergangsregierung innerhalb von 60 Tagen die nächsten Wahlen vorbereiten. Falls sich das Militär so lange noch zurückhält, dann nur, weil einzelnen Generälen versprochen wurde, bei der Bildung dieser Übergangsregierung berücksichtigt zu werden.

 Human Resource National Accountability Bureau (NAB)

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