17 Apr 2012, Pyongyang, North Korea --- Wall mural of Kim Il Sung, Victorious Fatherland Liberation War Museum, Pyongyang, Democratic People's Republic of Korea (DPRK), North Korea, Asia --- Image by © Gavin Hellier/robertharding/Corbis17 Apr 2012, Pyongyang, North Korea --- Wall mural of Kim Il Sung, Victorious Fatherland Liberation War Museum, Pyongyang, Democratic People's Republic of Korea (DPRK), North Korea, Asia --- Image by © Gavin Hellier/robertharding/Corbis

Nordkoreas Kulturrevolution

Nordkoreas Führer Kim Jong-un lässt die Puppen tanzen. Eine Disney-Gala steht am Beginn einer Kulturrevolution. Die Walt-Disney-Ästhetik soll der neue Volksgeschmack werden. An der Seite des Diktators ist erstmals eine Frau zu sehen. Wer ist die Unbekannte?

Er möchte jung, frisch und dynamisch wirken. Doch gleichzeitig steht er an der Spitze der letzten stalinistischen Enklave. Kim Jong-un ist seit letztem Dezember der unumstrittene Führer Nordkoreas. Er war nur wenige Wochen an der Macht, schon war sich die ganze nordkoreanische Nation sicher, dass er als einzigartiges Genie in die Geschichte des Landes eingehen wird. „Das Genie der Genies“ war auch sein erster und alles überstrahlender Beiname, eine Dokumentation über den „großartigen Nachfolger“ die logische Konsequenz. Seither weiß die ganze Welt, dass es sich bei Kim Jong-un nicht nur um einen unerschrockenen Reiter, sondern auch um einen begnadeten Panzerfahrer handelt. Weitgehend unbekannt waren bis zum heutigen Tag seine Konzepte und Ideen für die kulturelle Zukunft Nordkoreas. Beobachter sind sich sicher: Hier ist eine wahre Kulturrevolution im Anrollen.

Erstmals in der Geschichte Nordkoreas wurden Musikstücke und Lieder von einem Ensemble dargeboten, das relativ modisch gekleidet ist. Das vom großen Führer persönlich gegründete Frauen-Orchester besteht vorwiegend aus grazilen, jungen Damen, die teilweise Miniröcke bzw. schillernde Kleider und modischen Schmuck tragen. Im Hintergrund, auf einer Leinwand, waren Szenen aus verschiedenen Zeichentrickfilmen zu bewundern. Von „Schneewittchen“ bis zu „Die Schöne und das Biest“. Doch die wirklichen Stars tanzten im Vordergrund der Bühne. Sie waren gleichzeitig die viel umjubelten Ehrengäste dieser unvergesslichen Gala: Mickey Maus, Pu der Bär und natürlich Dumbo.

Kenner der Diktator-Familie Kim fällt an dieser Stelle sofort der Halbbruder des großartigen Führers ein:  Kim Jong-nam. Er machte 2001 Schlagzeilen, als er, angeblich auf dem Weg ins Tokioter Disneyland, mit einem gefälschten Pass der Dominikanischen Republik in Japan aufgegriffen wurde. Nun waren die unsterblichen Disneystars live auf einer Gala in Pjöngjang zu bestaunen. Was die einen als Kniefall vor dem älteren Halbbruder deuten, interpretieren die anderen als weitere Provokation im Zuge des Bruderzwists im Hause Kim.   /Nordkorea: Bruderzwist im Hause Kim/

Sicher ist nur, dass Disney sich schlichtweg provoziert fühlt. In einer Stellungnahme heißt es: „Die Firma Walt Disney hat keine Genehmigung für die Verwendung dieser Zeichentrickfiguren gegeben.“ Aus Washington war dazu sofort die diplomatische Reaktion zu hören: Patrick Ventrell, ein Sprecher des US Außenministerium forderte Nordkorea auf, seine „internationalen Verpflichtungen“ einzuhalten und „die Rechte des geistigen Eigentums“ zu respektieren.

Doch es scheint dem neuen und großen Führer sehr ernst zu sein. Er möchte die Disney-Ästhetik zum Volksgeschmack machen. Wörtlich meint Kim Jong-un in einem Text, der nach der Aufführung verbreitet wurde:

„Diese Aufführung setzt moderne, der Zeit entsprechende Akzente. Inhalt und Form erreichen ein neues Niveau. Wir sollen den Bedürfnissen der modernen Zeit entsprechen, den Wünschen des Volkes im Einklang mit den Empfindungen von Ästhetik und Schönheit. Wir sollten Schritt um Schritt die traditionelle und die populäre Musik in harmonischer Weise gemeinsam weiterentwickeln.“

„Walt Disney“ ist in Nordkorea bereits ein Begriff. Die verschiedenen Disneyfiguren finden sich schon seit einigen Jahren auf Kinderrücksäcken und Kinderpyjamas . Alle „Made in China“.

Doch nicht nur Walt Disney und die Frauen des Damen-Orchesters sorgen für großes Staunen auch die Dame, die während der Gala rechts von Kim Jong-un in dem großen roten Sessel Platz nahm, verwirrt mittlerweile die ganze Welt. Wer ist die schwarz gekleidete Frau mit den kurzen Haaren an der Seite des großen Führers? Sie war sogar im nordkoreanischen Staatsfernsehen zu sehen. Südkoreas Medien spekulieren und meinen, es handle sich um des Führers jüngere Schwester  Yo-jong. Andere Zeitungen, wie etwa JoongAng Ilbo sind sich sicher, dass es sich bei der Dame um die berühmte Sängerin Hyon Song-wol handelt.

Hyon Song-wol ist eine Jugendliebe des einzigartigen Führers. Als er vor zehn Jahren seine Ausbildung in Bern abbrach, weil ihn Kim Jong-il in Nordkorea zu einem würdigen Nachfolger aufbauen wollte, begann diese zärtliche Romanze. Doch der Vater befahl seinem Sohn, die Beziehung zu beenden und sich ganz auf die Zukunft Nordkoreas zu konzentrieren. Die Sängerin soll mittlerweile Mutter und – unbestätigten Meldungen zur Folge – immer noch mit einem Offizier der nordkoreanischen Armee verheiratet sein.

Während die ganze Welt darauf wartet, dass Nordkorea endlich für Klarheit sorgt und uns die Identität der jungen Dame verrät, bestätigt die staatliche Nachrichtenagentur, was wir genau genommen schon gewusst haben:

„Der Diktator hat einen grandiosen Plan, um in diesem Jahr eine dramatische Wende bei Literatur und Kunst einzuläuten“.

Video: Excellent Horse-Like Lady – Hyon Song-wol

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