04 May 2001, Tokyo, Japan --- A man believed to be North Korean heir-apparent Kim Jong Nam is escorted by police as he boards a plane upon his deportation from Japan at Tokyo's Narita International Airport. Believed to be the eldest son of North Korean leader Kim Jong-Il, the man entered Japan with a forged passport on May 1, 2001 and is to be deported to China.© Haruyoshi Yamaguchi/Corbis04 May 2001, Tokyo, Japan --- A man believed to be North Korean heir-apparent Kim Jong Nam is escorted by police as he boards a plane upon his deportation from Japan at Tokyo's Narita International Airport. Believed to be the eldest son of North Korean leader Kim Jong-Il, the man entered Japan with a forged passport on May 1, 2001 and is to be deported to China.© Haruyoshi Yamaguchi/Corbis

Nordkorea: Bruderzwist im Hause Kim

Nordkoreas „Großer Nachfolger“ Kim Jong-un feiert seinen (vielleicht) 30. Geburtstag. Das staatliche Fernsehen nennt ihn „Das Genie der Genies“. Doch auch Misstöne werden laut. Sein Halbbruder meldet sich zu Wort. Etwas ist  faul im Staate Nordkorea.

Kim Jong-un und Kim Jong-nam sind Halbbrüder. Der im Dezember verstorbene Staatschef Nordkoreas, Kim Jong-il, war ihr gemeinsamer Vater. Allerdings hatten sie unterschiedliche Mütter, weil der ehrenwerte Führer insgesamt viermal verheiratet war. Wir wissen auch, daß Kim Jong-nam der älterste Sohn ist, Kim Jong-un, der mittlerweile seinem Vater als „großartiger Staatsmann“ nachfolgte, ist wesentlich jünger als sein Halbbruder.

Um wieviele Jahre Kim Jong-un  jünger ist, läßt sich aber nicht genau sagen. Warum? Es herrscht Unklarheit über sein tatsächliches Geburtsdatum. Zunächst hieß es, er sei am 8. Jänner 1983 geboren worden. Auch 1984 wollte niemand wirklich ausschließen. Doch als er zum Nachfolger seines Vaters aufgebaut wurde, war es klar: Kim Jong-un wurde am 8. Jänner 1982 geboren. So steht sein Geburtsjahr, wie auch das Geburtsjahr seines verstorbenen Vaters (1942), in Einklang mit dem 1912 geborenen Republikgründer Kim Il-sung. Das ist von so einzigartiger symbolischer Bedeutung,  daß es einfach stimmen muß. Am 15. April 2012 wird die ganze Nation den 100. Geburtstag ihres Republikgründers feiern. Im selben Jahr feiert Kim Jong-un seinen 30.Geburtstag. Das war am 8. Jänner.

Diese Feierlichkeiten liegen also schon ein Monat zurück. Und: Sie haben alle Erwartungen übertroffen. Eine Dokumentation des staatlichen Fernsehens hat glaubwürdig untermauert, was alle Menschen in Nordkorea bereits gewußt haben: Kim Jong-un, der „Große Nachfolger“, hat zu Recht den Beinamen „Genie der Genies“. Er könnte, falls es notwendig ist, das gigantische Heer nicht nur hoch zu Ross befehligen, er ist auch ein außergewöhnlicher Panzerfahrer und ein furchtloser Helikopterpilot. Er erfreut sich in dieser Dokumentation zudem an den spektakulärsten Attraktionen im Vergnügungspark. Er ist aber nicht nur mutig und entschlossen, er ist auch glücklich und selbstbewußt. Er war, ist und bleibt somit die richtige Wahl für Nordkorea. Der „Große Führer“ Kim Jong-il hat einen großen Nachfolger für Nordkorea auserwählt. Wer ihm zujubelt, der jubelt ausschließlich aus innerer Überzeugung. Das war schon bei seinem Vater so, und auch bei seinem Großvater. Demnach muß es stimmen.

Doch nun sind auf einmal Misstöne zu hören. Und zwar aus der eigenen Familie. Der ältere Halbbruder Kim Jong-nam, der abwechselnd in Peking bzw. in Macau lebt, hat eine e-mail an die japanische Tageszeitung „The Tokyo Shimbun“ geschickt. Darin heißt es:

„Kin Jong-un ist nur ein Symbol für die Spitze Nordkoreas. Ich frage mich, wie ein junger Erbe nach lediglich zwei Jahren Ausbildung in der Lage sein soll, die absolute Macht zu übernehmen.“ Bereits früher erklärte er: „Die Wirtschaft wird ohne Reformen zusammenbrechen, Reformen aber werden zum Zusammenbruch des Regimes führen.“

Aus dem Informations- und Propagandaministerium in Pjöngjang kam bis jetzt keine Reaktion. Hier weiß man sehr gut, wie man mit Halb – bzw. Unwahrheiten umzugehen hat. Doch man ist zur Zeit auch sehr beschäftigt in Pjöngjang. Denn zu Ehren des verstorbenen Vaters der beiden Söhne müssen noch „Türme für seine Unsterblichkeit“ errichtet werden. Auch eine neue Bronzestatue soll gegossen werden und unzählige Portraits mit einem lächelnden Kim Jong-il müssen überall in Nordkorea noch aufgehängt werden. Kein Wunder, daß keine Zeit geblieben ist auf die ätzenden Bemerkungen des Halbbruders zu reagieren.

Sobald dem toten „Großen Führer“ alle erdenklichen Ehren erwiesen sind, wir sich die Verherrlichungsmaschinerie des Propagandaministeriums wieder in Bewegung setzen. Vielleicht wird dem Exil-Halbbruder mit einem neuen Dokumentarfilm über das „Genie der Genies“ geantwortet. Am 15. April wird der 100. Geburtstag des Republikgründers und gemeinsamen Großvaters gefeiert. Ein Tag an dem die ganze Familie  in den Himmel gelobt werden muß. Wäre da nicht der Bruderzwist im Hause Kim.

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