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Kambodschas offene Wunden

Der wichtigste Prozess in der Geschichte Kambodschas soll helfen die Schreckensherrschaft der Roten Khmer aufzuarbeiten. Zwei Millionen Menschen sind unter den Roten Khmer ums Leben gekommen. Die drei angeklagten Anführer weisen alle Vorwürfe zurück.

Hunderte Kambodschaner, darunter Angehörige von Opfern des Regimes, reisten zu den Eröffnungsplädoyers in die Hauptstadt  Phnom Penh. Teile des Verfahrens werden im Fernsehen übertragen. Die Staatsanwältin zeichnete am ersten Tag der Hauptverhandlung ein wahres Horrorbild ihres Heimatlandes: Kambodscha sein von 1975 bis 1979 ein Massenlager  für Sklaven gewesen, die Verbrechen unter den Schlimmsten, die je in der modernen Geschichte begangen worden seien. „Kambodscha war ein einziges riesiges Gefängnis, in dem die Gefangenen permanent überwacht wurden“, erklärte die Staatsanwältin. „Alles Märchen“ entgegnete einer der Angeklagten, der ehemalige Saatschef Kamodschas Khieu Samphan. Er bestritt alle Vorwürfe und erklärte, vielmehr habe er sein Land verteidigt und dabei die Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung gehabt. Allen drei Angeklagten werden Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vorgeworfen. Sie sind die wichtigsten noch lebenden Anführer des maoistischen Pol Pot-Regimes.

Während seines Studiums an der Thammasat-Universität in Bangkok wurde Nuon Chea Mitglied der Kommunistischen Partei  Thailands. Nach seiner Rückkehr nach Kambodscha schloss er sich den Roten Khmer an. Nach der Machtergreifung von Pol Pot war Nuon Chea von 1976 bis 1977 Regierungschef der Roten-Khmer Regierung. Er hielt sich zwar oft im Hintergrund, galt jedoch als hart und skrupellos. Er war der Stellvertreter Pol Pots und sogenannter „Bruder Nummer zwei“.

Khieu Samphan (76)

Er  promovierte 1959 an der Sorbonne Universität in Paris.  Bereits vor der Machtübernahme der Roten Khmer 1975 wurde er Leiter des gefürchteten Büros 870, der Parteiorganisation Angkar. Während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer war Khieu Samphan nach dem erzwungenen Rücktritt von Prinz Norodom Sihanouk von 1976 bis 1979 Staatsoberhaupt des neu gegründeten Demokratischen Kampuche und galt in der internationalen Öffentlichkeit als das  Gesicht des Regimes. Eine Rolle, die er nach 1979 für die Roten Khmer weiter ausübte. Am 18. November 2007 wurde er unter Waffengewalt aus einem Spital in Phnom Penh abgeführt und  dem Rote-Khmer-Tribunal überstellt.

Ieng Sary (84)

Er wuchs als Angehöriger der Khmer-Krom-Bevölkerungsgruppe in Südvietnam auf. Seine Ausbildung erfolgte in Paris in den 50-iger Jahren. In der Zeit von 1975-1979 war er Khmer Rouge-Außenminister und stellvertretender Ministerpräsident. 1975 forderte Ieng Sary alle Khmer-Diplomaten und Studenten aus dem Ausland zur Rückkehr nach Kambodscha auf, um beim kommunistischen Aufbau des Landes zu helfen. Seinem Ruf sollen rund 1.000 Kambodschaner gefolgt sein, doch überlebten nur 200 von ihnen die Schreckensherrschaft der Khmer Rouge. Am 12. November 2007 wurde er zusammen mit seiner demenzkranken Frau (sie war damals Sozialministerin) festgenommen.

Der Prozess ist der zweite gegen Verantwortliche der Roten Khmer, nachdem im vergangenen Jahr erstmals ein Urteil gegen ein führendes Regime-Mitglied gefällt worden war. Nach einem Geständnis wurde der einstige Folterchef Kaing Guek Eav alias „Duch“ im Juli 2010 zu 30 Jahren Haft verurteilt. Unter seiner Aufsicht waren in der berüchtigten Haftanstalt Tuol Sleng in der Hauptstadt Phnom Penh bis zu 15.000 Menschen gefoltert und hingerichtet worden.

 Der einstige Folterchef der Roten Khmer erklärte über sein Tätigkeit als Gefängnischef:

„Ich und alle anderen, die an diesem Ort arbeiteten, wussten, dass jeder, der dort hin kam, psychologisch zerstört und durch ständige Arbeit eliminiert werden musste und keinen Ausweg bekommen durfte. Keine Antwort konnte den Tod verhindern. Niemand, der zu uns kam, hatte eine Chance, sich zu retten.“ Eine persönliche Verantwortung sieht er trotzdem nicht: „Ich hatte keine Alternative“, sagt er, „Ich habe gehorcht.“ Er sei „wie jeder andere in der Maschinerie“ gewesen.

Kambodscha hat 1989 als einziges Land Südostasiens die Todesstrafe vollständig abgeschafft.

„Auf Initiative der vietnamesischen Besatzer fand im August 1979 in Phnom Penh ein Schauprozess gegen die beiden Roten Khmer Pol Pot und Ieng Sary statt, der von Kaev Chenda, dem kambodschanischen Minister für Propaganda und Information, geleitet wurde. Sie wurden in Abwesenheit zum Tode verurteilt. 1996 wurde Ieng Sary vom Hun-Sen-Regime amnestiert. Pol Pot starb 1998, ohne dass er je verhaftet wurde, im Dschungel nahe zur vietnamesischen Grenze.

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