10 Jun 1990, Langley, Virginia, USA --- Seal of the Central Intelligence Agency --- Image by © Roger Ressmeyer/CORBIS

Iran: Mossad-Agenten im CIA-Mantel

Mossad-Agenten sind als CIA-Mitarbeiter getarnt. Sie rekrutieren Exil-Iraner. Vor allem in London. Wenige Monate später beginnt in Teheran eine Anschlagsserie gegen iranische Wissenschaftler. Gibt es tatsächlich einen Zusammenhang?

In London gibt es unzählige iranische Restaurants. Von Abadan bis Zeytoon. Hier treffen sich zumeist Exil-Iraner. Darunter auch vereinzelt Männer der radikal-sunnitischen iranischen Rebellenorganisation Dschundallah. Sie nennen sich „Die Soldaten Gottes“ und kämpfen vor allem im Südwesten des Irans für die Rechte der sunnitischen Minderheit der Balutschen. Erst vor zwei Jahren wurde ihr Anführer Abd al-Malik Rigi gefangen genommen und hingerichtet.

Vor knapp drei Jahren wurden in den iranischen Restaurants von London auch öfters Mossad-Agenten gesichtet.  „Außergewöhnlich diskret sind sie nicht vorgegangen. Sie hatten amerikanische Pässe und bündelweise Dollar-Noten bei sich“, erinnert sich ein Restaurant-Besitzer in einem Interview mit einer englischen Tageszeitung. Sie gaben sich als CIA-Agenten aus und versuchten unter den Exil-Iranern neue Verbündete zu finden. „Ihre Rekrutierungsaktivitäten waren fast öffentlich. Es war ihnen augenscheinlich total egal, was wir davon halten“, erklärte ein CIA-Mitarbeiter Monate später gegenüber dem renommierte US-Magazin „Foreign Policy“. Die als CIA-Agenten getarnten Mossad-Mitglieder versuchten, Verbündete für den Kampf gegen das iranische Atomprogramm zu finden. Sie sollten mit ganz eindeutigen Aufträgen in den Iran zurückkehren.

Ein Motorradfahrer habe eine Bombe an dem Fahrzeug von Mostafa Ahmadi Roshan befestigt, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars. Zwei weitere Insassen des Wagens seien bei der Detonation verletzt worden. So geschehen am 11. Jänner 2012 im Norden von Teheran, in der Nähe der Gol Nabi Straße. Ahmadi Roshan war Atomwissenschaftler und Universitätsprofessor. Der Anschlag erinnerte an andere Attentate der letzten Jahre:

– Am 11. Januar 2010 wurde der Atomwissenschafter Massud Ali-Mohammadi durch eine ferngezündete Bombe in Teheran getötet.

– Im November 2010 beendet eine Autobome das Leben des Atomwissenschaftlers Madschid Schahrjari.

– Im Juli 2011 wird der Physiker Dariusch Resai  in Teheran erschossen.

Inwieweit alle vier Opfer in das umstrittene Atomprogramm des Irans involviert waren, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Sicher ist, dass mehrere Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes Mossad in den letzten drei Jahren in Teheran festgenommen wurden. Über die genaue Zahl und auch über ihre tatsächliche Identität wird selbst in Israel nur spekuliert. Israelische Medien stützen sich in ihrer Berichterstattung fast ausschließlich auf ausländische Quellen. Eigene Rechercheergebnisse besitzen sie nicht. Vermutlich hat die mächtige israelische Zensurbehörde dieses Thema mit einem Veröffentlichungsverbot belegt.

The Ugly Truth“ greift online ein Mark Perry-Interview auf, das der CIA-Agent dem Fernsehsender Al-Jazeera gegeben hat. Doch viel weiter wagen sich die israelischen Medien nicht vor. In diesem Fernsehinterview erinnert Perry daran, dass Mossad-Agenten schon vor einigen Jahren amerikanische Moslems in den USA rekrutiert haben. Als die CIA den Machenschaften der Mossad-Leute schließlich auf die Schliche gekommen sei und den damaligen US-Präsidenten George W. Bush darüber informiert habe, sei Präsident Georg W. Bush „absolut ausgerastet“.

Operationen unter einer falschen Identität sind nicht unüblich. Trotzdem reagiert General Joe Hoar verärgert: (Er war ehemaliger General des United States Marine Corps und bis 1994 zuständiger Kommandeur des United States Central Command, dem zuständigen US-Regionalkommando für den Nahen Osten.)

„Hier wird die Freundschaft zu einem Verbündeten für eigene Zwecke missbraucht.“ Der aktuelle Fall ist der schwerwiegendste, von dem er je gehört habe. „Israel spielt mit dem Feuer. Es zieht uns in seinen geheimen Krieg hinein, ob wir wollen oder nicht.“

Falls es wirklich stimmt, dass die USA nichts von den Rekrutierungsaktivitäten der getarnten Mossad-Agenten wussten, spricht diese Tatsache nicht wirklich für den amerikanischen Geheimdienst. Israel für eine mögliche militärische Auseinandersetzung mit dem Iran (mit)verantwortlich machen zu wollen, klingt eher nach einer amerikanischen Chuzpe. Die amerikanische Eskalationspolitik gegenüber dem Iran hat eine Eigendynamik entwickelt, die keine israelische Unterstützung braucht. Vor allem unter George W. Bush.

The Ugly Truth

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