Esfahan, Iran --- Iranian women form a human chain, at the Isfahan Uranium Conversion Facility, to support Iran's nuclear program, just outside the city of Isfahan, 410 kilometers (255 miles) south of Tehran. Hundreds of Iranian students rallied outside the gates of the uranium conversion plant, calling on Iran to ignore Western pressure and forge ahead with its nuclear program. --- Image by © Mohsen Shandiz/CorbisEsfahan, Iran --- Iranian women form a human chain, at the Isfahan Uranium Conversion Facility, to support Iran's nuclear program, just outside the city of Isfahan, 410 kilometers (255 miles) south of Tehran. Hundreds of Iranian students rallied outside the gates of the uranium conversion plant, calling on Iran to ignore Western pressure and forge ahead with its nuclear program. --- Image by © Mohsen Shandiz/Corbis

Iran: Der Atomwaffen-Bluff

Der Iran hat sein Atomprogramm ausgeweitet. Uran wird nun bis zu 20 Prozent angereichert. Der Westen fühlt sich erneut provoziert.  Im Iran gibt es genug Erdöl und Erdgas. Warum will der Iran die zivile Nutzung der Kernenergie wirklich vorantreiben?

Ghom ist eine der heiligen Städte der Schia. Sie liegt 130 Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Teheran. In unmittelbarer Nähe befindet sich seit zwei Jahrzehnten ein Raketentestgelände des iranischen Militärs.  Das Gebiet rund um den heiligen Berg Ghom, kam vor zwei Jahren in die Schlagzeilen: Westliche Geheimdienste berichteten am 25. September 2009, „dass der Iran die unterirdische Atomanlage Fordo im angrenzenden Gebirgsmassiv errichtet hat.“ In Fordo werden  3000 Zentrifugen betrieben. Es ist  – neben der Hauptanlage in Natans – die zweite iranische Anlage zur Anreicherung von Uran. Gestern wurde in Fordo mit der Anreicherung von Uran auf 20 Prozent begonnen, in Natans wurde Uran bislang nur bis 3,5 Prozent angereichert.

Der Iran wird schon immer verdächtigt, heimlich Atomwaffen zu bauen. Doch die Führung in Teheran pocht vehement auf ihr Recht, Kernenergie für friedliche Zwecke zu nutzen. Der Westen hält dem entgegen: „Es macht keinen Sinn in einer tief verbunkerten Anlage wie Fodo, Uran bis zu 20 Prozent anzureichern und gleichzeitig mit friedlichen Absichten zu argumentieren.“

Welche Gründe hat der Iran wirklich sich mit der zivilen Nutzung von Kernenergie zu befassen? Nur wenige Länder haben ähnlich viel Erdöl- und Erdgasvorkommen. Aus Teheran ist zu hören, dass die Erdölreserven begrenzt sind und, dass das Land ein legitimes Recht hat verschiedene Energieressourcen zu nutzen. Zudem steigt der heimische Erdölkonsum, was bedeutet, dass die Einnahmen aus den Erdölexporten zurückgehen. Gleichermaßen sind die Handelspartner unzuverlässig, weshalb der Iran darauf angewiesen ist, mittels Urananreicherung selbst den Brennstoff für seine Reaktoren herzustellen.

Ayatollah Khomeini hatte nach der islamischen Revolution vom Schah ein Nuklearprogramm übernommen, das vom Westen unterstützt und mit westlicher Technologie auf- und ausgerüstet war. Und auch für militärische Zwecke genutzt werden konnte. Doch die Kernenergie galt zumindest bis zum „Iran-Irak Krieg“ (1980-1988)  als „unislamische“ Technologie. Ein kurzfristiges Umdenken in Teilen der islamischen Gesellschaft hat sicherlich die amerikanische Invasion „Desert Storm“ ausgelöstDoch letztendlich waren die religiösen Argumente der vielen Kleriker im Iran wegweisend für die Atompolitik. Ali Khamenei, das geistige Oberhaupt, erklärte: „Die Nutzung von Massenvernichtungswaffen ist im Islam verboten.“

Weshalb ist der Iran dann nicht bereit, sein Atomprogramm den Inspektoren der Atomenergiebehörde (IAEA) vollständig offenzulegen? Alle Verdächtigungen wären mit einem Schlag aus der Welt geschafft. Die Antwort hat sehr viel mit dem Stolz der Persischen Nation zu tun. Viele Iraner sind überzeugt, dass ihr Land eine historisch-kulturelle Führungsrolle in dieser Region haben muss. Der Nachbar Pakistan ist in ihren Augen ein historisch und kulturell rückständiges Land. Die Kernwaffentests des pakistanischen Militärs aus dem Jahr 1998 schmerzen die Iraner heute noch. Ihr Stolz sagt ihnen, dass der Iran über die gleichen Waffen verfügen soll wie seine Nachbarn.

Wer den gekränkten und verletzten Stolz einer ganzen Nation nun mit (sicherheits)politischen Überlegungen vermengt, der kommt (in Teheran)  zu dem Schluss: Der Iran sollte aus Gründen der nationalen Sicherheit zumindest eine Atomwaffenoption haben. Diese Überlegungen verhindern auch, dass  Mahmud Ahmadinedschad die Atom-Karten offen auf den Tisch legt. Nur solange es keine detailierten Informationen über das Atomprogramm gibt, lebt bei den Nachbarn die Angst, der Iran könnte schon bald Atomwaffen besitzen.

Der Iran wird sich die  Option auf Kernwaffen weiterhin offen halten. Selbst wenn eine Entscheidung darüber überhaupt nicht in Sicht ist. Dass der Iran an der Bombe bastelt, ist primär eine Behauptung der amerikanischen Anti-Iran-Politik. Sie  möchte um jeden Preis einen Regimewechsel in Teheran erzwingen. Indem die USA aber das Bedrohungsbild eines Irans mit Atomwaffen skizzieren, helfen sie der Führung in Teheran die Nachbarländer des Irans zu bluffen.

In diesem Zusammenhang empfehle ich

Kommentar hinterlassen zu "Iran: Der Atomwaffen-Bluff"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*