14 Nov 2011, Gaza, Gaza Strip --- Palestinians inspect a destroyed Hamas security post in Beit Lahia. -- Palestinians inspect a destroyed Hamas security post in Beit Lahia, in the northern Gaza Strip after an Israeli air strike strikes a Hamas compound on the Gaza Strip, killing one policeman and wounding four others. Palestine. 14th November 2011 --- Image by © Sameh Rahmi / Demotix/Demotix/Demotix/Corbis14 Nov 2011, Gaza, Gaza Strip --- Palestinians inspect a destroyed Hamas security post in Beit Lahia. -- Palestinians inspect a destroyed Hamas security post in Beit Lahia, in the northern Gaza Strip after an Israeli air strike strikes a Hamas compound on the Gaza Strip, killing one policeman and wounding four others. Palestine. 14th November 2011 --- Image by © Sameh Rahmi / Demotix/Demotix/Demotix/Corbis

Im Fadenkreuz des Mossad

Arafats Stellvertreter, Abu Jihad, wurde 1988 von einer israelischen Spezialeinheit erschossen. Das hat Israel nun erstmals zugegeben. Gezielte Tötungen, die auf das Konto des Mossad gehen, gibt es seit 1956. Ein kurzer Rückblick:  

Er war ein alter gebrechlicher Mann. Er wirkte sanft und ruhig, vielleicht sogar ein wenig demütig. Seine Stimme klang dünn und unverwechselbar hoch. Sein Körper war in einen Rollstuhl verfrachtet, seine Hände ruhten zumeist regungslos auf einer braunen Wolldecke, die seine dünnen Beine umhüllte und wärmte. Kühl und feucht sind die Wintermonate im Gazastreifen. Scheich Ahmad Yasin, der Chefideologe der gefährlichsten Terrororganisation im Nahen Osten, der Begründer der Hamas, war von den Schultern abwärts gelähmt und fast blind. Seine Halsmuskulatur war zu schwach, so kippte sein Kopf oftmals nach links. Die Physiotherapeuten in Gaza haben getan, was sie konnten, um dem Scheich ein halbwegs erträgliches Leben zu ermöglichen. Doch seine Ausdrucksmöglichkeiten blieben stark eingeschränkt. Trotzdem wollte ihn jeder in Gaza reden hören. Denn er verspottete Israel, Israels Politiker und den Mossad. Dabei wirkte er aber lammfromm und gütig, wie ein Gelehrter. Das hat seinen Worten nur noch mehr Schärfe verliehen, obwohl seine Stimme wahrlich eunuchenhaft klang. 

Der „Scheich der Intifada“ wie Ahmad Yasin oft genannt wurde, hatte insgesamt acht Jahre in israelischen Gefängnissen verbracht. Verurteilt wurde er mehrfach: Einmal zu 15 Jahren und im Jahr 1991 sogar zu lebenslanger Haft. Wegen Anstiftung zum Mord an sogenannten palästinensischen Kollaborateuren und wegen Anstiftung zur Entführung und Ermordung zweier israelischer Soldaten. Doch schließlich kam alles anders.

Es war im Jahr 1997: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu befahl die Ermordung von Hamas-Führer Chalid Maschal, der sich zu diesem Zeitpunkt in der jordanischen Hauptstadt Ammann aufhielt. Doch die gesamte Geheimaktion misslang. Zwei Mossad-Agenten wurden festgenommen. König Hussein von Jordanien setzte Israel unter Druck und es kam im Oktober 1997 zu einem Gefangenaustausch und somit zur vorzeitigen Freilassung von Scheich Ahmad Yasin.

„Allahs Wege sind wundersam“, erklärte der Scheich nach seiner unverhofften Freilassung mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Und schon ein Jahr später bereiste er den Sudan und Katar, Saudi-Arabien und die Arabischen Emirate, Syrien und den Jemen. Er benötigte dringend Geld, um all seine Pläne in die Tat umsetzen zu können. Er kehrte mit insgesamt 50 Millionen US-Dollar nach Gaza zurück.

Aus dem Chefideologen der Hamas wurde eine Ikone des bewaffneten Widerstandes gegen Israel. Im September 2003 überlebte er einen israelischen Luftangriff mit einer leichten Handverletzung. Die 250-Kilo-Bomben der israelischen F-16 Kampfjets verfehlten sein schmuckloses Haus in Sabra, einem schäbigen Stadtviertel im Südwesten von Gazastadt. Angeblich beobachtete der Scheich den Luftangriff durch das halb offene, gewellte Asbestzement-Dach seines Hauses.  

Doch ein Jahr später, am 22. März 2004 um 5 Uhr wurde Scheich Ahmad Yasin durch drei Hellfire-Raketen eines israelischen Hubschraubers im Viertel Zaitūn von Gazastadt getötet. Er starb im Alter von 75 Jahren, wenn wir uns an dem Geburtsdatum in seinem Reisepass orientieren. Er selbst erklärte immer, neun Jahre jünger zu sein. Bei dieser „gezielten Prävention“, wie gezielte Tötungen in Israel genannt werden, sind zwei seiner Söhne und noch sieben andere Personen ums Leben gekommen. Die israelische Regierung zögerte nicht, sich zum Raketenangriff zu bekennen.

Der Tötung des Scheichs waren zwei Selbstmordanschläge auf den Hafen von Asvon Aschdod am 14. März vorausgegangen. Beide Anschläge sollen von Scheich Yasin persönlich geplant worden sein. Sein Nachfolger Abd al-Aziz ar-Rantisi wurde genau 26 Tage später ebenfalls von den Israelis auf sehr ähnliche Art und Weise getötet. Israel bekannte sich im Handumdrehen zu beiden ´sikul memukad´, gezielten Präventionen. Schließlich geht es hier um die Sicherheit des Staates Israel und um die Abschreckung der Feinde, die genau diese Sicherheit gefährden. Lautete die Rechtfertigung sinngemäß.

Bei Geheimdienstoperationen, die eindeutig die Handschrift des Mossad tragen, vergehen oftmals mehrere Jahrzehnte, bis die israelische Regierung dazu Stellung nimmt. So hat Jerusalem erst letzte Woche eingestanden, Arafats Stellvertreter, den PLO-Vize Abu Jihad 1988 in Tunis getötet zu haben. Erst jetzt, nach 24 Jahren, erlaubte die Militärzensur der Zeitung Jediot Ahronot, die detaillierten Rechercheergebnisse über diese Mossad-Aktion zu veröffentlichen:

Eine 26-köpfige israelische Eliteeinheit teilte sich in zwei Gruppen. Während die eine die beiden Bodyguards und den schlafenden Gärtner erschossen, stürmte das zweite Kommando die Villa von Abu Dschihad. Der PLO-Vize starb im Kugelhagel am 16. April 1988.  

Involviert waren auch zwei Mitglieder der jetzigen Regierung. Mosche Jaalon, der Stellvertreter von Regierungschef Netanjahu, war damals der Leiter der Einheit Sajeret Matkal: Eine Spezialeinheit, die sich auf Terrorismusbekämpfung und nachrichtendienstliche Aufklärung konzentriert. Verteidigungsminister Ehud Barak war 1988 der stellvertretende Kommandeur der israelischen Streitkräfte.  

Die Geschichte der gezielten Tötungen durch israelische Eliteeinheiten bzw. durch Mossad-Agenten lässt sich verlässlich bis in das Jahr 1956 zurückverfolgen. Wegbereiter war und ist die sogenannte Sammelabteilung des Mossad. Es ist die größte Abteilung des israelischen Auslandgeheimdienstes, spezialisiert auf Spionage. Sie besitzt Niederlassungen auf der ganzen Welt. In bestimmten Ländern ist sie fester Bestandteil der diplomatischen Vertretung Israels.

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