17 Feb 2012, Germany --- (120217) -- BERLIN, Feb. 17, 2012 (Xinhua) -- German President Christian Wulff (L) and his wife Bettina leave aftr Wulff makes a statement of resignation in the presidential residence in Berlin, Feb. 17, 2012. (Xinhua/Ma Ning) --- Image by © Ma Ning/xh/Xinhua Press/Corbis17 Feb 2012, Germany --- (120217) -- BERLIN, Feb. 17, 2012 (Xinhua) -- German President Christian Wulff (L) and his wife Bettina leave aftr Wulff makes a statement of resignation in the presidential residence in Berlin, Feb. 17, 2012. (Xinhua/Ma Ning) --- Image by © Ma Ning/xh/Xinhua Press/Corbis

Herr Wulff: Er kam, sah, drohte und musste wieder gehen

Viele Kritiker meinen, Deutschlands Bundespräsident Christian Wulff ist berechnend und naiv. Er ist ein verwöhnter Luxusmensch, der die süße Seite des Lebens liebt und  Angst hat, seinen Lebensstil nun aufgeben zu müssen. Diese Angst hat aus ihm einen Salami-Taktiker gemacht, der immer erst eingesteht und sich entschuldigt, wenn Die Geduld der Öffentlichkeit schon längst am Ende ist. „Herr Wulff,  Sie sind kein guter Bundespräsident für Deutschland! Leben Sie wohl!“

Deutschlands Bundespräsident Christian Wulff wirkt würdevoll und erhaben sobald er die Ehrengarde abschreitet. Manchmal vielleicht auch ein wenig eitel. Dass Nicht-Bundespräsidenten eine würdevolles Auftreten gerne mit Arroganz und Überheblichkeit verwechseln, ist ein Problem der vielen Nicht-Bundespräsidenten. Vielleicht schwingt hier auch ein bisschen Neid mit, denn als Deutscher Bundespräsident verdient Herr Wulff 152, 400.- Euro im Jahr. Da kann er sich schon etwas leisten. Und was er sich nicht leisten kann, das wird ihm von reichen Freunden angetragen, dorthin wird er von noch reicheren Freunden auch gerne einmal eingeladen. Das war schon immer so. Vorallem als Herr Christian Wulff  noch weniger verdiente.

„Christian hatte damals nicht das Geld für ein teures Restaurant“, erklärte Egon Geerkens, der Trauzeuge des Bundespräsidenten, in eine Interview im letzten Monat. Dabei ging es um das Jahr 1988, als Christian Wulff seine Frau Christiane heiratete und einige Tage im Luxus-Penthouse seines engen Freundes Egon Geerkens in Osnabrück logieren durfte. In der  überdimensionalen Badewanne konnte sich Christian endlich einmal richtig ausstrecken und abschalten. Das einzigartige Prunkstück des Badezimmers musste – laut Augenzeugenberichten – mit einem Baukran in den sechsten Stock des Penthouses gehievt werden.

Trauzeuge Egon ist ein gelernter Elektriker, der teure Unfallautos reparierte und sich so seine ersten Pfennige verdiente. Später mit Antiquitäten handelte und in weiterer Folge  sein kleines Schmuckgeschäft in Osnabrück in ein wahres Schmuck-Imperium verwandelte. Nach dem lukrativen Diamantengeschäft verdiente Egon Geerkens ein Vermögen mit Immobilien. Er selbst besitzt unter anderem eine Villa am Vierwaldstättersee bei Luzern und ein Traumhaus in Miami. In Florida durfte Wulff, damals noch Ministerpräsident von Niedersachsen, zu Weihnachten 2009 absteigen.

Sein Flug nach Florida machte erst Schlagzeilen als er bereits Bundespräsident war. Dabei ging es um ein kostenloses upgrade in die Business-class der Air Berlin, von dem Wulff angeblich nichts wusste und – laut seinen eigenen Angaben – erst am Flughafen erfuhr. Seither verfolgt den Bundespräsidenten von Deutschland  die schiefe Optik und die Presse. Das sich Herr Wulff auch tatsächlich verfolgt fühlt, hat mit seiner zögernden Haltung zu den verschiedensten Vorwürfen zu tun. Anstatt rechtzeitig über den Privat-Kredit von 500.000 Euro, den ihm Edith Geerkens zu Superkonditionen gewährte, zu berichten, handelt der Bundespräsident unentschlossen und unüberlegt. Jede verspätete Stellungnahme hinterlässt immer nur den Eindruck, dass er noch immer nicht Alles gesagt hat, dass der Herr Bundespräsident immer noch versucht irgendetwas zu verheimlichen. Ob das stimmt oder nicht, Wulff wurde auf jeden Fall zum gefunden Fressen  für alle Aufdeckungsjournalisten. Dass er selbst irgendwann dahinter eine gesteuerte Kampagne vermutet, ist auch einleuchtend.

Der Druck, der auf dem ersten Mann im Staate Deutschland seit Wochen lastet, ist unvorstellbar groß. Dass er damit  kaum umgehen kann ist verständlich und menschlich zugleich. Dass er jedoch bei einem Chefredakteur anruft und eine Drohung auf der Mobilbox hinterlässt, falls erneut ein Artikel über ihn erscheint, ist entwürdigend für das Amt und für seine Person. Ein Rücktritt ist schon lange keine Frage der Ehre mehr, eher eine Frage der Schadensbegrenzung. Alle seine Entschuldigungen sind gut gemeint und reuevoll. Unterstreichen aber, dass der Herr Bundespräsident keinen wirklichen Weitblick besitzt, die Konsequenzen seines Handels überhaupt nicht (mehr) abschätzen kann. Das ist nicht nur in Deutschland untragbar.

Der Politiker Christian Wulff ist als Bundespräsident gescheitert und muss den Rückzug aus diesem wirklich ehrenvollen Amt antreten. Dass er sich als Mensch, der  die aussergewöhnlich süßen Seiten des Lebens liebt, auch gerne von steinreichen Freunden einladen lässt, dafür kann man noch eher Verständnis haben.  Dafür hat er allerdings genug Zeit, sobald seine Amtszeit als Bundespräsident beendet ist. Vielleicht schon in wenigen Tagen.

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