20 Feb 2012, Japan --- February 20, 2012, Fukushima, Japan - Workers wearing protective suits and masks are seen atop of the Fukushima No. 1 Nuclear Power Plant's No. 4 reactor building on Feb. 20, 2012, in Okuma, Fukushima Prefecture. The yellow area, center left, is the lid of the containment vessel of the reactor. The green part, center right, shows refueling equipment. --- Image by © Mainichi Newspaper/AFLO/AFLO/Nippon News/Corbis20 Feb 2012, Japan --- February 20, 2012, Fukushima, Japan - Workers wearing protective suits and masks are seen atop of the Fukushima No. 1 Nuclear Power Plant's No. 4 reactor building on Feb. 20, 2012, in Okuma, Fukushima Prefecture. The yellow area, center left, is the lid of the containment vessel of the reactor. The green part, center right, shows refueling equipment. --- Image by © Mainichi Newspaper/AFLO/AFLO/Nippon News/Corbis

Fukushima: Es drohte eine noch größere Katastrophe

Ein Jahr nach Fukushima wird klar: Japan ist einer noch größeren Katastrophe nur knapp entgangen. Premierminister Naoto Kan verhinderte eine Evakuierung Tokyos. Was ist hinter den Kulissen debattiert und entschieden worden? Eine neue Studie gibt Einblick in die Tage nach dem Tsunami.  

Die Bilder des Tsunamis, der über Japans Ostküste hinwegrollte, haben sich in unser Gedächtnis eingebrannt. Sie werden vor unserem geistigen Auge immer wieder auftauchen, sobald wir das Wort „Fukushima“ lesen oder hören. Dabei bedeutet Fukushima“ so viel wie „Glücksinsel“. Genau genommen ist es aber eine Präfektur in Japan. Und zwar die südlichste Präfektur der Region Tōhoku auf der Insel Honshū. Sitz der Präfekturverwaltung ist die gleichnamige Stadt Fukushima.

Das Kernkraftwerk Fukushima Daini oder Fukushima II liegt etwa 200 Kilometer von Tokyo entfernt, direkt am Meer. Der Name erklärt sich damit, dass die Anlage in der Nähe – etwa 12 Kilometer südlich – des älteren Kernkraftwerk Fukushima Daiichi (Fukushima I) errichtet wurde. Das Kernkraftwerk Fukushima II besteht aus vier Siedewasserreaktoren: die Reaktor 1 und 3 stammen von Toshiba, Nummer 2 und 4 von Hitachi. Die sogenannten Reaktorkerne befinden sich in Sicherheitsbehältern, die wiederum von General Electric entworfen wurden. 

Während des Erdbebens von  Tōhoku (Stärke 9 auf der Richterskala) wurde an allen vier Blöcken des Kraftwerks eine automatische Reaktorabschaltung vorgenommen und der sogenannte Isolationszustand der Reaktorsicherheit hergestellt. Wegen des Ausfalls der Kühlmittelpumpen an den Blöcken 1, 2 und 4 wurden hier die Zusatzwassereinspeisesysteme als Hilfsspeisepumpen verwendet. Der von dem Erdbeben ausgelöste Tsunami traf mit einer Höhe von 6,5 bis 7 Metern in Fukushima-Daini ein und überschwemmte Teile des Kraftwerksgeländes. Angeblich richtete der Tsunami selbst keinen Schaden an den Reaktorblöcken an. In den Blöcken 1, 2 und 4 erreichte am folgenden Tag um 5:22, 5:32 bzw. 6:07 Uhr Ortszeit die Temperatur in den Kondensationskammern 100 °C, womit die Funktion der Druckabbausysteme verloren ging. Daher wurde zu diesen Zeitpunkten für diese drei Blöcke jeweils ein Störfall erklärt. Der Betreiber Tepco (Tokyo Electric Power) erklärte am Abend des 12. März den Zustand aller vier Reaktoren für stabil.

Was sich auf politischer Ebene, vor allem hinter den Kulissen zugetragen hat, das versucht ein neuer Bericht darzulegen, der von der privaten Organisation „Rebuild Japan Initiative Foundation“ erstellt wurde. An der Spitze dieser Organisation steht Yoichi Funabashi. Er ist der ehemalige Chefredakteur der zweitgrößten japanischen Tageszeitung: Asahi Shimbun. Universitätsprofessoren, Anwälte und Journalisten haben über sechs Monate hindurch 300 Interviews geführt. Mit den Verantwortlichen von Tepco und den wichtigsten Kabinettsmitgliedern von Premierminister Naoto Kan, der im August letzten Jahres zurückgetreten ist. Auf 400 Seiten versucht „Rebuild Japan Initiative Foundation“ darzulegen, was wirklich auf Regierungsebene debattiert und entschieden wurde:

In den Tagen nach dem Tsunami herrschte vor allem bei der Betreiberfirma Tepco sehr große Panik.  Rund um die Uhr wurde hektisch telefoniert. Tepco Geschäftsführer Masao Yoshida stand mit den verschiedensten Regierungsmitgliedern in ständigem Kontakt. Vor allem mit  Yukio Edano. Er war damals Chefkabinettssekretär und Staatsminister (für Angelegenheiten von Okinawa und der nördlichen Territorien). Im Mittelpunkt der hektischen Debatten stand das sogenannte Abklingbecken des Reaktors 4. Hier lagern 10.000 gebrauchte Brennstäbe. Alte Brennstäbe erzeugen noch lange Wärme. Wenn sie nicht gekühlt werden, ist so eine Art „Mini-Schmelze“ möglich. Tepco hatte keine Ahnung über den Zustand dieses Abklingbeckens und wollte sein gesamtes Team vom Gelände Fukushima Daiichi abzuziehen. Das wurde allerdings von der japanischen Regierung verhindert.  

Yukio Edano, erinnert sich: “Wenn wir Tepco erlaubt hätten sein Team abzuziehen, hätten wir Fukushima aufgegeben. Eine teuflische Kettenreaktion wäre die Folge gewesen: Noch mehr Radioaktivität wäre ausgetreten und wir wären gezwungen gewesen auch Atomkraftwerke in der Umgebung abzuschalten. Letztendlich wäre irgendwann sogar die Evakuierung Tokyos auf der Tagesordnung gestanden.” Erst nach fünf Tagen, also am 16. März 2011, könnte bei einem Hubschrauberüberflug festgestellt werden, dass sich im Abklingbecken noch ausreichend Wasser befinde. Ohne Wasser hätten sich die Brennstäbe unkontrolliert erhitzt. Große, noch größere Mengen radioaktiver Stoffe hätten austreten können.

„Wir sind gerade noch am Worst-Case-Szenario vorbeigeschrammt“, sagte Yoichi Funabashi, der Gründer der „Rebuild Japan Initiative Foundation“. Die Öffentlichkeit habe davon aber nichts erfahren. Und im selben Atemzug wirft er der Regierung vor, aus Angst vor einer Panik die Gefahr, die vom Atomkraftwerk Fukushima ausging, heruntergespielt zu haben. Letztendlich kommt der Bericht aber zu dem Schluss: „Japan wurde nur deshalb gerettet, weil Premierminister Naoto Kan Tepco nicht erlaubt hat, sein gesamtes Team aus Fukushima abzuziehen und das Atomkraftwerk aufzugeben.“

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