A circular saw blade, close-up --- Image by © Tobias Titz/fstop/CorbisA circular saw blade, close-up --- Image by © Tobias Titz/fstop/Corbis

Erschossen, zersägt und einbetoniert

Zersägte, einbetonierte Leichenteile werden in einem Kellerabteil in Wien gefunden. Unterhalb der „Schleckeria“ in Meidling. Die Besitzerin des Eissalons soll beide Männer kaltblütig ermordet haben. In einer Woche beginnt der Prozess.

Estibaliz Carranza-Zabala, 34, hatte sich die Handhabung der Kettensäge irgendwie leichter vorgestellt. Dabei ist die Spanierin, wenn es darauf ankommt, eine kräftige und entschlossene Frau. Trotzdem beschloss sie, erneut in den Baumarkt zu fahren und sich alles noch einmal ganz genau erklären zu lassen. Als sie ihr erstes Opfer zersägte, war das Ergebnis eine einzige große Schweinerei. Das passiert ihr kein zweites Mal. Überall waren Fett- und Fleischreste, alles war blutverschmiert und der Gestank erschien ihr bald unerträglich. Die Kettensäge ist sehr schwer zu führen, sobald sie eingeschaltet wird bzw. zu zersägen beginnt. Beim nächsten Mal wollte sie es besser machen: sauberer, falls das mit einer Kettensäge überhaupt möglich ist. Holger (32), ihren Ex-Ehemann, hatte sie, das war ihr persönlicher Eindruck, „unprofessionell“ zersägt.

Der gebürtige Berliner Holger Holz, musste am 27. April 2008 sterben, weil er nach der Scheidung das Geld zurückverlangte, das er in den Eissalon „Schleckeria“ in Wien Meidling investierte. Rund 10.000 Euro wurden ihm zum Verhängnis. Drei Schüsse feuerte Estibaliz hinterrücks auf ihn ab, als er am Computer saß: Einen in den Rücken, zwei weitere in seinen Hinterkopf. Die abgesägten Körperteile – Kopf, Arme und Beine – wurden zunächst in der Tiefkühltruhe verstaut, später im Kellerabteil in Maurertrögen, unter dem Eissalon, in der Oswaldgasse 1, einbetoniert. Seinen deutschen Freunden bzw. seiner Familie erzählte Estibaliz, Holger habe sich in Indien der Hare Krischna Sekte angeschlossen. Den Wiener Freunden wurde klar gemacht, dass „Holger wieder nach Deutschland zurückgegangen ist.“ Sie brauchte keine Hilfe, sie konnte den Eissalon alleine führen. Estibaliz hatte in Barcelona Wirtschaft studiert.

Ihr neuer Freund, der Eismaschinenverkäufer Manfred Hinterberger aus Maissau im Bezirk Hollabrunn, investierte sogar 100.000 Euro in den Umbau des Meidlinger Eissalons. Doch auch er soll sie, laut ihren eigenen Angaben, „psychisch und körperlich schwer misshandelt haben.“ Oder hatte Estibaliz einfach nur Angst, auch Manfred könnte das investierte Vermögen irgendwann einmal zurückfordern? Sie würde die Herrschaft über ihr Imperium, die neu umgebaute „Schleckeria“ verlieren. Genau lassen sich ihre Gedankengänge nicht nachvollziehen. Aber ihre Schlussfolgerung war eindeutig: Manfred musste irgendwie aus dem Weg geschafft werden.

Den ursprünglichen Plan, ihn bei einer Bergtour verunglücken zu lassen, hatte die Eislady schnell wieder verworfen. Der Leichnam wäre früher oder später gefunden worden. Sie müsste den Absturz dann ganz genau erklären. Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis sie auch Fragen über Holger beantworten müsste. So entscheidet sie sich schließlich für die alt-bewährte Killermethode. Und obwohl sie immer eine Baretta 22 in ihrer Handtasche hat, blieb sie ihrer alten Tatwaffe treu: Ein Repetier-Gewehr, das ihrem Ex-Gatten gehörte.

Der skelettierte Schädel von Manfred Hinterberger weist drei Einschüsse und einen Streifschuss auf. Er wurde eiskalt im Schlaf erschossen. Zuvor hatte Estibaliz noch eine Plastikfolie rund um das Bett ausgebreitet. Alles sollte diesmal sauberer über die Bühne gehen. Manfred wurde durch gleichmäßige Kettensägenschnitte zerteilt, dabei erinnerte sich Estibaliz an die Worte des Baumarkt-Verkäufers, mit dem sie die Gebrauchsanleitung der Kettensäge durchgegangen war. Anschließend wurden Manfreds Körperteile ebenfalls im Kellerabteil unter der Eisdiele einbetoniert. Neben der Schleckeria befindet sich der Frisiersalon „Eymen“. Er gehört Erkan Köskal, der das Abflusssystem im Keller reparieren lassen wollte. Die beauftragten Handwerker entdeckten einen Unterschenkel, der schlecht, vermutlich zu hastig einbetoniert wurde. Die Eislady befand sich bereits auf der Flucht, ehe sie in Udine verhaftet wurde.

Weitere Details wird der bevorstechende Geschworenenprozess unter der Leitung von Richterin Susanne Lehr ans Tageslicht bringen. Dass die Spanierin, Estibaliz Carranza-Zabala, die in Mexiko geboren wurde, psychisch krank ist, steht vermutlich außer Zweifel. Sie selbst hat immer wieder davon gesprochen „ein rotes Teilchen in ihrem Gehirn zu besitzen“, wie ein Lämpchen, das, wenn es rot leuchtet, sie in einen unkontrollierbaren Zustand versetzt. Als würde sie dann von einer Welle erfasst werden, die wie ein Motor wirkt und sie dazu bringt, ihre furchtbaren Gedanken in die Tat umzusetzen. Auch der Vater ihres zehn Monate alten Sohnes ist sich sicher, dass seine Freundin „krank“ ist, behandelt und geheilt werden muss. Die Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner empfiehlt die Einweisung.

Ende August erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen zweifachen Mordes. Gefordert sind nun die Star-Anwälte der Eislady: Werner Tomanek, Rudolf Mayer und Karl Bernhauser. Insgesamt sechs Sachverständige und 47 Zeugen werden an den vier Prozesstagen zu Wort kommen. Prozessbeginn ist am 19. November im Wiener Landesgericht.

Es gilt die Unschuldsvermutung.

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