10 Jun 2010, Ilulissat, Greenland --- Setting midnight sun lights melting icebergs from Jakobshavn Isfjord along Disko Bay on summer evening. --- Image by © Paul Souders/Corbis10 Jun 2010, Ilulissat, Greenland --- Setting midnight sun lights melting icebergs from Jakobshavn Isfjord along Disko Bay on summer evening. --- Image by © Paul Souders/Corbis

Dieser Tropfen kühlt den Stein noch lange nicht

Beim UN-Klima-Gipfel im südafrikanischen Durban ist eine mögliche Lösung auf das Jahr 2015 verschoben worden. Sie wird  vielleicht 2020 umgesetzt werden. Klima-Diplomaten  jubeln, Aktivisten sind sauer. Die Erderwärmung lässt sich nicht mehr aufhalten. Wie soll es weitergehen?

Hat unsere Welt ein Umweltbewusstsein? Wer sich das sogenannte Durban Paket ansieht, muss zu dem Schluss kommen, dass die Staatengemeinschaft vielleicht einmal ein Umweltbewusstsein haben wird. Frühestens 2020, wenn ein Weltklimavertrag umgesetzt werden soll, der auch Klimasünder wie die USA, China und Indien in die Pflicht nehmen wird.  Zunächst einmal liegen aber weitere neun Jahre massive Emission vor uns. Dabei übertreffen wir uns jedes Jahr selbst. 2010 wurde weltweit so viel Kohlendioxid ausgestoßen wie nie zuvor. Jeder von uns hat auch im letzten Jahr seinen eigenen Kohlendioxid-Ausstoß-Beitrag geleistet! Die Tendenz ist weiter steigend, voraussichtlich noch bis 2021. Erst dann könnte ein umgesetzter Weltklimavertrag – sofern es wirklich dazu kommt – eine allererste Trendumkehr messbar machen.

Ohne hier sarkastisch klingen zu wollen: Dieses Minimalergebnis haben wir der Europäischen Union zu verdanken. Weltweite Klimapolitik ist extrem schwierig. Aber das wissen wir. Vor allem deswegen, weil das Klimaproblem alle zeitlichen und räumlichen Grenzen sprengt. Der Kampf gegen die Erderwärmung wird immer komplexer und somit immer schwieriger zu bewältigen. Er streift Verteilungs- und Gerechtigkeitsfragen zwischen den entwickelten und weniger entwickelten Regionen dieser Welt; und er wirft auch Fragen von historischer Verantwortung und globaler Solidarität auf.

Dabei scheint es, dass die großen Industrienationen Angst haben, dass eine Begrenzung der Treibhausgasemissionen auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Volkswirtschaft geht. Dieser Preis ist jedem Industriestaat immer noch zu hoch. Und das, obwohl jedes Land weiß, dass der Preis den letztendlich die ganz Welt zu bezahlen hat, um ein vielfacher höher sein wird. Denn die Erderwärmung ist unaufhaltsam geworden.

Größere Fortschritte wurden hingegen bei der Anpassung an den Klimawandel gemacht. Vor allem die afrikanischen Staaten haben in Durban sehr erfolgreich aufgezeigt, wie verwundbar ihr Kontinent ist und wie dringend notwendig Anpassungsmaßnahmen sind: In Ruanda und Kenia ist die Bereitstellung von Wetterdaten mit landwirtschaftlichen Informationen verknüpft sowie mit einem verbesserten Zugang der Bauern zu widerstandsfähigerem Saatgut und Wasser.

Doch ein aktueller Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) offenbart, dass der Klimawandel zu einer wachsenden Zahl extremer Wetter- und Klimaereignisse führen wird und, dass arme Länder und Menschen am meisten unter dieser Entwicklung leiden werden. Viele von ihnen bekommen die Auswirkungen des Klimawandels schon heute zu spüren. 2010 veranschlagte die Weltbank die jährlichen Anpassungskosten in Entwicklungsländern mit 70 bis 100 Milliarden Dollar. Allerdings ging sie von niedrigeren CO2-Emissionen aus und berücksichtigten lediglich technische Maߟnahmen wie Staudämme, Deiche und dergleichen. Gesellschaftliche und institutionelle Anpassungsaspekte – zum Beispiel capacity building und Ausbildung – sollten allerdings mit derselben Priorität behandelt werden.

Trotz seiner Bedeutung wird das Thema Anpassung an den Klimawandel oft nur zögerlich angesprochen, um die verhandelnden Staaten nicht von der Notwendigkeit zur Emissionsminderung abzulenken. Denn das größte Problem ist immer noch, dass es kein echtes Bewusstsein für die eigentliche Verursachung gibt: Das Emissions-Bewusstsein hat in vielen hoch entwickelten Industriestaaten immer noch Entwicklungshilfe-Status. Und selbst „Anpassung“ bleibt auf lange Sicht weitgehend sinnlos wenn große Emittenten, wie die USA und China, ihren Ausstoß an Treibhausgasen nicht reduzieren.

Das Kyotoprotokoll, das einzig zählbare, was die Staatengemeinschaft bisher an Klimapolitik auf die Beine gestellt hat, läuft weiter. Allerdings ohne Japan, Kanada und Russland. Es soll erst, so wurde in Durban beschlossen, bei der nächsten Klimakonferenz im Jahr 2012 verlängert werden. Voraussichtlich wird ein kleinster gemeinsamer Nenner unterzeichnet werden: die Reduzierung der globalen Treibhausemission um 15 Prozent, wovon elf Prozent auf die Europäische Union entfallen. Noch nicht entschieden ist, ob die nächste Kyotoperiode bis 2017 oder bis 2020 dauern soll.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigt sich nach dem Klimagipfel in Südafrika enttäuscht und befürchtet:

„Der unter Druck von Indien und den USA abgeschwächte Kompromiss wird zu keinem international verbindlichen Klimaschutzvertrag führen, sondern nur zu einem lose bindenden Abkommen. In letzter Minute wurde ein Schlupfloch für die USA bzw. für fossile Industriekonzerne unter Mithilfe von Indien geschaffen. Nun droht erneut ein langwieriger Verhandlungsprozess. Mit einem schwachen Klimavertrag, der zudem erst 2020 in Kraft treten soll, werde es nicht zu schaffen sein, die Erderwärmung wie angepeilt auf zwei Grad zu begrenzen.“

Durban ist – wenn überhaupt – nur ein bedingter Fortschritt im Kampf gegen die Erderwärmung. Doch wo der Fortschritt selten geworden ist, gibt sich die Welt schon mit wenig zufrieden.

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