05 Jun 2003 --- Plastic rubbish on the seabed. Pollution such as this can severely damage marine environments. Plastics in particular take a very long time to break down. Photographed in the Mediterranean Sea. --- Image by © Alexis Rosenfeld/Science Photo Library/Corbis05 Jun 2003 --- Plastic rubbish on the seabed. Pollution such as this can severely damage marine environments. Plastics in particular take a very long time to break down. Photographed in the Mediterranean Sea. --- Image by © Alexis Rosenfeld/Science Photo Library/Corbis

Der Tod unserer Meere

Eine Müllinsel, doppelt so groß wie Deutschland, treibt im Pazifik. Jede Stunde landen 650 Tonnen Abfall im Meer. Die Ozeane werden leergefischt, aussterbende Fischarten tonnenweise eingefroren. Profitgier garantiert den Tod unserer Meere.

Es ist überhaupt nicht notwendig, irgendwelche Horrorszenarien darzulegen und diese mit Superlativen zu beschreiben. Es reicht völlig aus, Zahlen zusammenzutragen, diese miteinander zu vergleichen, sie so gut wie möglich zu überprüfen und anschließend zu Papier zu bringen. Diese Zahlen sprechen eine eigene, eindeutige Sprache. Wer sie auflistet und darüber nachdenkt, der ist vor das Problem gestellt, sich nun das ganze Ausmaß der Katstrophe, die längst begonnen hat und vom Menschen nicht wirklich gestoppt werden möchte, vorstellen zu müssen. Alleine die Tatsache, dass auf unseren Meeren tag täglich 2,1 Millionen Schiffe unterwegs sind, um Fische aller Arten zu fangen, ist schwer vorstellbar. Darunter befinden sich 24.000 sogenannte industrialisierte Trawler. Das sind Schleppnetzfischer mit 3-D-Sonargeräten und Satellitennavigation, um Fischgründe ganz genau aufspüren zu können. Ausgestattet sind sie zudem mit Grundschleppnetzen (Trawl) oder mit Schwimmschleppnetzen.

Berechnungen zur Folge verspeist jeder Mensch rund 17 Kilogramm Fisch pro Jahr. Mit über 15 Millionen Tonnen Fisch jährlich ist China der größte Fischproduzent. Die Chinesen besitzen auch weltweit die größten Fischzuchten, vor Peru, Indonesien und den USA. Während in Europa und Asien die Nachfrage nach Fisch jedes Jahr zunimmt, sinkt der Fischbestand weltweit dramatisch schnell. Gleichzeitig wird auf den Trawlern die Ausrüstung aufgerüstet, um die wenigen Fische noch besser und noch schneller auszumachen. Und es wird auch immer öfter in fremden Gewässern gefischt, um den Laderaum voll zu bekommen. Ziel sind in erster Linie Entwicklungsländer wie Guinea, die sich kaum gegen die Piraten-Fischer zur Wehr setzen können. So werden in der Europäischen Union jedes Jahr rund 500.000 Tonnen illegal gefangener Fisch serviert. Das ist ein Fünftel des weltweit gefangenen Fisches mit einem Marktwert von rund 20 Milliarden Euro. Die am häufigsten gefischten Arten sind Sardellen, Alaskadorsch, Atlantischer Hering und Skipjack-Tunfisch.

Am Beispiel des Blauflossen-Thunfisches lässt sich sehr deutlich darlegen, dass wissenschaftliche Empfehlungen von politischen Entscheidungen ignoriert werden, weil die wirtschaftlichen Interessen größer und einflussreicher sind als die politische Vernunft. Das Argument, dass festgelegte Fangquoten – egal wie hoch sie sind – nie eingehalten werden, ist unter Politikern ein willkommenes Argument. Sofern die tatsächliche Fangquote von der wissenschaftlichen Empfehlung zu stark abweicht, erhöht sich der Druck auf die Politik. So versucht die Politik, einen Mittelwert festzulegen. Bereits im Jahr 2007 wurden 61.000 Tonnen Blauflossen-Tunfische gefangen. Die Europäische Union hat eine Quote von 30.000 Tonnen festgelegt, die Wissenschaftler der ICCAT (The International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas) hatten für eine nachhaltige Befischung lediglich 15.000 Tonnen empfohlen.

Derzeit erzielt ein mehr als 100.000 US-Dollar auf dem japanischen Fischmarkt. Tendenz steigend, weil das Angebot der Weltmeere dramatisch zurückgegangen ist. 2012 wird wahrscheinlich der letzte Blauflossen-Thunfisch gefangen werden. Doch er wird nicht, wie sich vermuten lässt, in einem Sushi-Lokal serviert werden. Der letzte Blauflossen-Thunfisch wird in einer Tiefkühlhalle von Mitsubishi lagern. Der Elektrokonzern und Autohersteller gilt als größter Thunfischhändler der Welt. Die beiden Tochterunternehmen Toyo Reizo und Tuna Queen rüsten die großen Fischfänger mit einzigartigen Kühlhallen aus. Im Zentrum von Tokyo besitzt Mitsubishi Tiefkühlager, wo mehrere 10.000 Tonnen Blauflossen-Thunfisch bei minus 60 Grad eingefroren wurden. Der Vorrat soll so lange aufgestockt werden, bis es keinen Blauflossen-Thunfisch mehr gibt. Dann kann Mitsubishi als Marktmonopolist auftreten und den Preis diktieren.

Der Blauflossen-Thunfisch steht unmittelbar vor seiner Ausrottung. Ähnlich wie der Rotbarsch oder der Chilenische Wolfsbarsch. Das Wissenschaftsmagazin Science hat bereits im Jahr 2006 vorhergesagt, dass das weltweite Geschäft mit dem Fisch im Jahr 2048 zusammenbrechen wird. Die Überfischung wird langsam aber sicher für 10 Millionen Fischer weltweit existenzbedrohend. Sie können in keinster Weise mit den hochtechnologisierten Fisch-Trawlern mithalten, die mit ihren Supernetzen die Ozeane leerfischen. Die Grundschleppnetze, die über den Meeresboden gezogen werden, zerstören die Laichgebiete und somit auch jede Chance, dass sich der Fischbestand regenerieren kann. Mehr als 27 Mio. Tonnen Meerestiere gehen jährlich als Beifang in die Netze der Trawler. Das ist ein Drittel der gefangenen Fischmenge. Laut WWF (World Wide Fund for Nature) verenden jedes Jahr 300.000 Wale und Delfine in den Netzen. Der sogenannte Beifang ist das Ergebnis unselektiver Fangmethoden durch mehr als 100 km lange Angelschnüre und Schleppnetze.

Dass der Mensch, genau genommen, seine wichtigste Nahrungsquelle selbst verspielt grenzt an langsamen aber gezielten Selbstmord. An den Küstengebieten der Erde ernähren sich etwa 2,6 Milliarden Menschen in erster Linie von Fisch. Vor allem in Kambodscha und Bangladesch, in Französisch Guayana und Gambia, in Sierra Leone und Indonesien. In Westafrika deckt Fisch bis zu 80 Prozent der Versorgung mit tierischem Eiweiß. Das Ende der Fischbestände hätte nicht nur Auswirkungen auf das Ökosystem der Meere, es würde auch bedeuten, dass Millionen Menschen in Asien und Afrika sich kaum noch ernähren können.

Platsik-Müllansammlungen in unseren Meeren

Der Müll besteht aus Plastikflaschen, Einmalrasierern, CD-Hüllen, Kabeltrommeln, Zahnbürsten, Feuerzeugen und anderen Gegenständen. Kunststoffe werden im Meer durch Gezeiten und die Wirkung der Wellen in immer kleinere Stücke zerteilt. Einige Kunststoffe werden spröde und brüchig durch Lichteinwirkung und Freisetzung der enthaltenen Weichmacher. So entstehen unter anderem 3–5 mm große sogenannte Pellets, die von Meerestieren mit Plankton verwechselt und aufgenommen werden.

Der Verzehr von Fisch hat in Asien eine sehr lange Tradition. Gleichzeitig ist Fisch gesünder als Fleisch. Die Frage ist nur, wie lange noch? Auf einen Quadratkilometer Meeresfläche treiben bis zu 18.000 Plastikteilchen. 650 Tonnen Müll landen jede Stunde im Meer. Rund die Hälfte davon ist Plastik. Ein Müllteppich, doppelt so groß wie Deutschland, treibt zwischen Nordamerika und Asien. Er wird der Great Pacific Garbage Patch genannt. Vor zwei Jahren wurde eine zweite schwimmende Müllinsel im Atlantischen Ozean entdeckt: Ein Plastikberg auf hoher See. Verschiedene Meerestiere knabbern sich an Plastikbechern in einen qualvollen Tod und werden selbst zu einem giftigen Bestandteil unserer Nahrungskette.

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