28 Jan 2015 --- Bitcoin with a padlock through it, computer illustration. --- Image by © VICTOR HABBICK VISIONS/Science Photo Library/Corbis28 Jan 2015 --- Bitcoin with a padlock through it, computer illustration. --- Image by © VICTOR HABBICK VISIONS/Science Photo Library/Corbis

Bitcoin: Code geknackt?

Mt. Gox hat Insolvenz angemeldet. 744.000 Bitcoins im Wert von 390 Millionen Dollar sind verschwunden. Hat die größte Bitcoin-Handelsplattform seine Kunden betrogen oder wurde „nur“ der Bitcoin-Code geknackt?

Der Autopsiebericht liegt noch nicht vor. Aber vieles deutet darauf hin, dass sich Autum Radtke selbst das Leben nahm, nachdem die größte Bitcoin-Börse Insolvenz angemeldet hatte. Die 28-Jährige Amerikanerin wurde am 28. Februar tot in ihrem Apartment in Singapur aufgefunden.  Die zentrale Frage, die die Bitcoinwelt seither beschäftigt, steht ihr Tod in einem Zusammenhang mit der Insolvenz des ehemals größten Bitcoin-Handelsplatzes Mt. Gox?

Autum Radtke war die Chefin von First Meta, einer Handelsplattform, die ursprünglich für die „Second Life – Währung“, den sogenannten Linden-Dollar(L-$) gegründet wurde. Second Life ist ein Realityonline-Spiel, das seit 2003 rund 36 Millionen registrierte Mitspieler hat. Zumindest 30.000 von ihnen sind permanent online. First Meta expandierte und ab 2013 ermöglichte die Online-Plattform seinen Usern auch, Bitcoins in Dollar umzutauschen. Autum Radtke selbst hatte in Bitcoins investiert. Erst letzte Woche wurde in Amerika das Insolvenzverfahren über Mt. Gox eröffnet, die größte Börse der Welt, an der Bitcoins gehandelt wurden, gibt es nicht mehr.

Bitcoins sind aus den Idealen der Open-Source-Bewegung hervorgegangen. Eine Internetwährung, die größere Unabhängigkeit von Banken und Regierungen versprach. Sie sollte beliebig teilbar sein, nicht rückverfolgbar, somit anonym und gleichzeitig fälschungssicher, weil sich die verschlüsselte Zeichenfolge an die alte Kunst der Kryptografie anlehnt. In der Praxis sieht das so aus, dass ein Netzwerk von Computern verschlüsselte Zeichenformen errechnet, die aus bestimmten mathematischen Bedingungen hervorgehen. Das Geld, die Bitcoins also, bestehen aus diesen Zeichenfolgen.

Sofern ein Bitcoin den Besitzer wechselt, wird diese Transaktion Bestandteil des Codes. Jeder Bitcoin hat also seine eigene Lebensgeschichte in sich niedergeschrieben. So soll sichergestellt werden, dass diese virtuelle Währung weder kopiert noch gefälscht werden kann. Überprüft werden die Transaktionen von sogenannten Miners, die bei der kleinsten mathematischen Ungenauigkeit eine Transaktion sofort verhindern. Ein in sich sehr komplexes System, das für den Laien nur sehr schwer verständlich ist. Aber ist es auch ein perfektes System? Schließlich ist der Quellencode der Bitcoins ein Geheimnis, das für jeden zugänglich ist, „lediglich“ entschlüsselt werden muss.

Gegen Mt. Gox laufen derzeit Untersuchungen. Die größte Handelsplattform für die Digital-Währung Bitcoin, Mt.Gox, hat einen Insolvenzantrag gestellt. Mt.Gox habe Schulden von rund 6,5 Milliarden Yen (46,6 Millionen Euro), wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Diese Zahlen wurden erstmals im Rahmen einer Pressekonferenz  (am 28. Februar 2014) in Tokio bekannt gegeben.

Der Bitcoin-Handelsriese Mt. Gox hatte zuvor den Betrieb eingestellt. In einem Dokument, das in der Bitcoin-Welt zirkuliert, hält das Unternehmen fest, dass es 744.000 Bitcoins seiner Nutzer und 100.000 eigene Münzen durch Betrug verloren hat. Das sind rund 6 Prozent aller Bitcoins, die weltweit im Umlauf sind. Mt. Gox hat einen Fehler identifiziert, durch den Benutzer die gleichen Bitcoins mehrmals abheben können. Dieser Fehler machte das System – angeblich schon seit Jahren – anfällig für Hacker. Es wird vermutet, dass ausgeführte Überweisungen nicht als „erledigt“ verbucht worden sind, und so Mehrfachüberweisungen möglich waren. Für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) spekulierte vor wenigen Tagen Peter Roßbach, ein Professor für Informatik und Betriebswirtschaftslehre an der Frankfurt School of Finance and Management:

Bei mehreren Bitcoin-Börsen war die Software offenbar nicht richtig programmiert. Für die Bitcoins selbst aber konnte ein Fehler bisher nicht nachgewiesen werden.“ Aus seiner Sicht ist es zwar „zumindest theoretisch nicht unmöglich“, den Bitcoin-Algorithmus zu hacken. „Aber nach dem, was derzeit öffentlich bekannt ist, hat es noch keiner geschafft.“

Als die Nachricht über den Bitcoinverlust bei Mt.Gox bekannt war, stürzte die digitale Währung in nur wenigen Stunden unter die 500 Dollar Marke. Ende November 2013 lag der Wert eines Bitcoin – laut dem Coin Desk Bitcoin Index – noch bei 1200 US-Dollar. Mittlerweile hat sich die Klage gegen Mt. Gox auch auf die japanische Großbank Mizuho ausgeweitet, die den mutmaßlichen Betrug angeblich unterstützt haben soll, weil sie das Geld ihrer Kunden nicht vom Kapital der japanischen Bitcoin-Börse getrennt hat. So haben sich die Verluste der Bitcoin-Kunden nur noch vergrößert.

Die Anleger und Bitcoin-Händler hatten einzig und allein der Technik vertraut, genau genommen einer kryptographischen Formel, die nicht kopierbar scheint, und genau deshalb die gleichen Anforderungen erfüllt, die wir an Banknoten stellen. Die Zahlencodes werden von einem Superrechner berechnet, die dann im Internet hin- und hergeschickt werden können. Auf den Internetbörsen lassen sich Bitcoins gegen Euro bzw. US-Dollar einkaufen und mittels einer App auf dem Smartphone abspeichern. Sofern das Restaurant Bitcoins akzeptiert, kann die Rechnung über das Handy beglichen werden. Sehr oberflächlich betrachtet klingt alles so wie Online-Banking.

Allerdings hat die Bitcoin-Währung keinen rechtlichen Rückhalt. Hinter dieser virtuellen Währung steht weder ein bestimmter Staat noch die Europäische Zentralbank oder die Federal Reserve Bank. Dem Wert des Bitcoins liegt die Annahme zugrunde, dass es im Internet genug Menschen gibt, die Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren. Der Bitcoin-Wechselkurs wir einzig und allein durch Angebot und Nachfrage geregelt: Wer kauft, bzw. verkauft wie viele Bitcoins zu welchem Preis? Zentrales Marketing-Instrument des Bitcoins ist somit seine Akzeptanz. Die virtuelle Währung wird auch in der realen Welt immer öfter akzeptiert. In zwei Hotels in Las Vegas lässt sich die Zimmerrechnung bis heute in Bitcoins bezahlen. Ein Ende des digitalen Geldrausches ist also noch lange nicht in Sicht.

Die Banker stehen dem Bitcoin erwartungsgemäß skeptisch gegenüber, weil sie an eine Währung drei Anforderungen stellen: Sie muss als Recheneinheit verwendbar sein, als Tauschmittel akzeptiert werden und zur Wertaufbewahrung dienen. Sehr positiv wird die Entwicklung bei den Anhängern der Schule der österreichischen Nationalökonomie aufgenommen, weil es endlich einen Wettbewerb unter den Währungen gibt und, weil sich das Geld vom Staat emanzipiert.

Wer der geistige Vater der Bitcoins ist, bleibt bis zum heutigen Tag ungewiss. Oftmals wurde der Name Satoshi Nakamoto genannt. Erst Anfang März hat das US-Magazin Newsweek verlautbart, den wahren Bitcoinerfinder gefunden zu haben: Dorian Nakamoto. Doch der gebürtige Japaner, der in einem Einfamilienhaus in Kalifornien lebt, weist die Newsweek-Reportage als „falsch“ zurück. An die unzähligen Journalisten, die tagelang sein Haus umlagerten, richtete er die Bitte: „Der Bericht von Newsweek hat mir ihm und meiner Familie viel Stress verursacht. Ich bitte Sie nun darum, unsere Privatsphäre zu respektieren.“

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