Silvio Berlusconi und andere Politiker © pixabaySilvio Berlusconi und andere Politiker © pixabay

Berlusconi: Die Kunstharzfigur im Glassarg

Silvio Berlusconi lächelt zufrieden. Doch er wirkt etwas erschöpft. Seine Krawatte ist gelockert, seine Hose leicht geöffnet. Er trägt Mickey-Maus-Schuhe. So liegt er aufgebahrt in einem Glassarg im Palazzo Ferrajoli. „Der Traum der Italiener“ wird heftig diskutiert.

Genau gegenüber dem italienischen Regierungssitz liegt der Palazzo Ferrajoli. Hier ist für drei Tage „Der Traum der Italiener“ ausgestellt. So der Name des Werkes, das von den beiden Künstlern Antonio Garullo und Mario Ottocento erschaffen wurde: Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi wie er leibt und lebt(e). Aufgebahrt in einem Glassarg. Provozierend und provokant. Mit halb offener Hose, gelockerter Krawatte. Ganz aus Kunstharz geformt. Er wirkt zufrieden, befriedigt und durchtrieben zugleich. Er trägt einen maßgeschneiderten Anzug aus feinstem Tuch. Die beiden Künstler haben allerdings die Maßschuhe aus bestem italienischen Leder durch Mickey-Maus-Schuhe aus Plüsch ersetzt.

Die makabere Kunstharzfigur sorgt für Aufsehen. Vor allem in Italien. Sie spaltet die Nation, wie sie der Ex-Regierungschef selbst gespalten hat: Oft war seine bloße Anwesenheit im italienischen Parlament oder seine Abwesenheit zu Gericht, Grund genug, um die italienische Seele zum Kochen zu bringen. Letztendlich auch deshalb, weil seine Politik versuchte aus der unabhängigen Justiz eine politische Marionette zu formen. Das bleibt weder unerkannt noch ungestraft.

Im Glassarg vom Palazzo Ferrajoli lebt die noch sehr frische Erinnerung an Silvio Berlusconi wieder auf. An seine Eitelkeiten und an seinen Hochmut, an sein bewundernswertes politisches Geschick, das, wenn es nicht immer zum Wohle des italienischen Volkes war, ihm selbst geholfen oder zumindest kurzfristig weitergeholfen hat. Er hat mehr Misstrauensanträge überstanden als alle anderen italienischen Regierungschefs zusammen.  Das hat ihm das Schmunzeln seiner Bewunderer eingebracht und den Zorn seiner Gegner nur noch gesteigert.

Sein Geld, seinen Einfluss und seine Macht hat er gekonnt zum eigenen Machterhalt eingesetzt. Das hat ihm das politische Überleben gesichert. Sein Charme und sein Charisma haben verführt. Nicht nur elegante, junge Damen aller Gesellschaftsschichten, auch Geschäftspartner und Andersdenkende. Dessen war sich der Milliardär und Medienmogul immer bewusst. Als Präsident des AC Mailand hat er sich schnell in die Herzen der italienischen Fußballfans gespielt, als er den Verein auf Erfolgskurs brachte. Er war zu Beginn seiner politischen Karriere eine Alternative zur alten Politikerklasse. Seine Slogans waren verständlich und überzeugend zugleich. Sie reichten von „ein Arbeiter als Ministerpräsident“ bis zu „eine Million Arbeitsplätze“. Den „Vertrag mit den Italienern“ hat er im Fernsehen live vor den Parlamentswahlen 2001 unterzeichnet. Berlusconi kennt die italienische Seele wie kaum ein anderer Politiker. Er ist ihr immer spielend und aufgeschlossen, warmherzig und doch entschlossen begegnet. Als Staubsaugervertreter während seiner Studienzeit, als Nachtclubsänger auf Kreuzfahrtschiffen, als Ehemann oder Liebhaber, als Unternehmer oder Politiker.

Es ist zu einfach, ihn als Schlitzohr oder Lebemann abzustempeln, selbst wenn er ein Schlitzohr und Lebemann ist. Es erscheint irgendwie logisch, dass er sich irgendwann einmal mit der italienischen Mafia arrangieren musste, selbst wenn es nie jemand wirklich beweisen möchte. Es war fast vorhersehbar, dass er Italien nicht auf einen disziplinierten Sparkurs bringen kann, weil es seiner eigenen Persönlichkeitsstruktur widerspricht. Fast 20 Jahre dominierte der Milliardär die italienische Politik. Sein Erbe muss nun Professor Mario Monti verwalten. Währenddessen denkt Silvio Berlusconi (75) bereits an sein politisches Comeback.

Er wird Italien weiter polarisieren. Ob als Politiker oder als Kunstharzfigur im Glassarg des Palazzo Ferrajoli.

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