19 Jun 2012, Washington, DC, USA --- Attorney General Eric Holder speaks during a press conference after a meeting at the U.S. Capitol in Washington D.C. June 19, 2012 Benjamin Myers / Corbis --- Image by © Benjamin J. Myers/Corbis19 Jun 2012, Washington, DC, USA --- Attorney General Eric Holder speaks during a press conference after a meeting at the U.S. Capitol in Washington D.C. June 19, 2012 Benjamin Myers / Corbis --- Image by © Benjamin J. Myers/Corbis

Amerikanische Märchenstunde

Die USA wollen um jeden Preis verhindern, dass der Iran sein Atomprogramm für militärische Zwecke verwendet. Rund um den Erdball sollen Verbündete auf dieses Ziel eingeschworen und Zweifler überzeugt werden. Auch mit eigenartigen Komplott-Theorien möchte die US-Regierung den Iran tiefer in die diplomatische Isolation drängen. Eine merkwürdige Geschichte.

Es gibt keine normalen diplomatischen Beziehungen zwischen dem Iran und den USA. Deswegen werden verwirrende Sachverhalte, die beide Länder betreffen, nicht in einem vertraulichen Gespräch unter Diplomaten behandelt, sondern unter anderem vor  TV-Kameras dargelegt und analysiert. Der US-Justizminister Eric Holder hat dem Iran vorgeworfen, Attentate auf die Botschafter Israels und Saudi-Arabiens in den USA geplant zu haben. Dabei sei auch der Einsatz von Massenvernichtungswaffen vorgesehen gewesen.

Holder sagte, es sei ein verdächtiger Iraner in New York festgenommen worden. Ein weiterer Iraner mit amerikanischem Pass sei flüchtig. Vor einem New Yorker Gericht wurde Anklage erhoben. Das Attentat sei von „Elementen der iranischen Regierung“ geplant worden. Es handele sich dabei um Mitglieder einer Spezialeinheit der Revolutionären Garde. Man werde den Iran zur Verantwortung ziehen.

Ein US-Iraner soll in Mexiko bei dem vermeintlichen Mitglied einer Drogenbande professionelle Killer für die geplanten Attentate geworben haben, stiess aber stattdessen auf einen Agenten der US-Drogenabwehr, der sich als Auftragskiller ausgab und dann prompt das FBI informierte. Die Beamten nahmen den US-Iraner fest, nachdem von einem Bankkonto der iranischen Al-Quds-Brigade hundertausend Dollar auf ein vom FBI kontrolliertes Konto in Mexiko eingegangen waren. Der Mann, heißt es, sei „kooperativ“, auch wenn er jede Schuld bestreitet. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

Selbst wenn diese skurrile Geschichte doch stimmt, so ergibt sich daraus keine Mittäterschaft der iranischen Führung. Obwohl Teheran sehr viele Gründe hat auf die USA und auf Saudi Arabien verärgert zu sein. Denken wir nur an die Serie von Morden und Attentaten an iranischen Atom-Experten oder an die Installierung des Stuxnet-Wurmes (Computerwurm, der ausserplanmässige Störungen des iranischen Atomprogramms zum Ziel hatte.) Dafür machte der Iran die USA und Israel verantwortlich.

Doch Faktum ist,  dass alle Terror- und Mordanschläge, in die der Iran involviert war, von Verbündeten Teherans ausgeführt wurden.  Zudem hat der Iran niemals versucht einen Anschlag in den USA selbst auszuführen. Und nun – bei einer so heiklen Mission – wollte man sich auf eine nicht-islamische, mexikanische Drogenbande verlassen, die von amerikanischen und mexikanischen Verbindungsmännern unterwandert war?  Zudem: Warum sollte der saudiarabische Botschafter in den USA das Terrorziel sein? Er ist kein Mitglied der königlichen Familie, er ist nicht einmal ein wichtiger Kontaktmann zwischen Washington und Riad.

Entweder wir müssen Alles überdenken, was wir über den Iran und seine Terrorabsichten wissen oder es handelt sich um Obamas erstes aussenpolitisches Wahlkampfmärchen, das von den innenpolitischen Problemen kurz einmal ablenken soll.

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